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UNIPOLITIK Strategieprozess für den Forschungstransfer Transferaudit an der TU Ilmenau Der Transfer von Wissen in innovative Anwendungen gewinnt am Technologiestandort Deutschland immer mehr an Bedeutung. Um ihren Forschungstransfer in die Wirtschaft weiter zu intensivieren, hat die TU Ilmenau den Entwurf einer Transferstrategie ausgearbeitet, den sie bewusst auch externen Partnern zur Diskussion vorstellte. Dazu konnte die Universität im April Vertreter des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft e.V. und weitere Experten zu einem Transferaudit begrüßen. Das Thema Transfer als dritte Mission der Hochschulen neben Forschung und Lehre erfährt eine steigende Bedeutung in der politischen und öffentlichen Diskussion und so auch bei den Fördermittelgebern. Dabei wird in den letzten Jahren deutlich über den reinen Technologietransfer-gedanken hinausgegangen und eine breite Definition des Begriffes Transfer angesetzt. Jeder Wissenschaftler betreibt Transfer durch seine Veröffentlichungen, durch die Ausbildung von wissenschaftli-chem Nachwuchs, den wissenschaftlichen und auch öffentlichen Diskurs und nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen und anderen Partnern. Parallel zur Forschungsstrategie wurde 2018 ein erster Entwurf für die Trans-ferstrategie der TU Ilmenau mit fünf Handlungsfeldern, untersetzt durch Ziele und Maßnahmen, erarbeitet und im Forschungsausschuss vorgestellt. Um den Entwurf der Transferstrategie zu validieren, weiteres Feedback aus der Hochschule sowie von Externen einzuho-len und die Unterstützungsstrukturen für den Transfer an der TU Ilmenau effizient zu gestalten, das Thema Transfer als dritte Mission der TU Ilmenau deutlich herauszustellen und damit nicht zuletzt auch den Interessen der Fördermittel-geber entgegen zu kommen, hatte sich die Hochschulleitung entschieden, ein Transferaudit des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft e.V. an der TU Ilmenau durchzuführen. Das Transferaudit Das Transferaudit ist ein Service für Hoch-schulen, die den Transfergedanken als Profilelement in ihrer Strategie stärken möchten. Es soll uns ermöglichen, unsere institutionelle Strategie unter Einbezie-hung hochschulinterner Akteure und externer Experten weiterzuentwickeln. Das | 8 UNI 2 I 2019 Transferstrategie TU Ilmenau Handlungsfelder im Entwurf der Transferstrategie der TU Ilmenau: 1) Informations-/Wissenstransfer 2) Personaltransfer 3) Kooperation: Interagierender Forschungstransfer 4) Schutzrechte und sonstiges geistiges Eigentum 5) Ausgründungen Transferaudit ist dabei keine Leistungsbe-wertung, sondern ein Entwicklungsinstru-ment, das an der individuellen Zielsetzung ansetzt. Für die Durchführung des Transferaudits wurde an der TU Ilmenau ein Projektteam aus Mitgliedern aller Fakultäten (Profes- soren und Nachwuchswissenschaftler) und der mit Transfer beschäftigten Ser-viceeinheiten für Wissenschaft, Prof. Kai-Uwe Sattler, zusammengestellt, das Transferaudit vor-bereitet Im Rahmen dieses Auditverfahrens be-suchten Stifterverbands und fünf Auditoren die TU Ilmenau: Prof. Dr. Uwe Götze, Prorektor für Transfer und Weiterbildung der TU Chemnitz, brachte die Erfahrungen einer Technischen Universität mit dem Thema Transfer ein. Dr. Jens Fahrenberg, Leiter In-novations- KIT (Karlsruher Institut für Technologie), ist Experte für Technologietransfer, Career Service, Alumni-Arbeit, Fundraising und Stiftungen und zudem Geschäftsführer der KIT Innovation gGmbH und Vorstand des Technologieallianz e.V. PD Dr. Mark Euler Transfer im Thüringer Hochschulgesetz unter Leitung des Prorektors und dessen Ziel diskutiert. im April 2019 drei Mitarbeiter des und Relationsmanagement am Die Auswirkungen des neuen Thüringer Hochschulgesetzes auf die universitären Entscheidungsstrukturen wurden in der letzten UNI beschrieben. Auch der Stel-lenwert des Wissenstransfers wurde im Gesetz angepasst, um die gewachsene Bedeutung von Innovationen im Zusammenspiel mit der Wirtschaft hervorzuhe-ben. So heißt es in §5 ThürHG: „Aufgabe der Hochschulen ist auch der Wissens- und Technologietransfer. Er soll zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen und ist Teil der Innovationskette, die zur wirtschaftlichen Wertschöpfung führen soll. Der Wissens- und Technologietransfer umfasst insbesondere Koopera-tionen, Patentierungen, Lizensierungen und Ausgründungen. Zur Erfüllung dieser Aufgaben sind geeignete Unterstützungsstrukturen vorzuhalten und angemessen auszustatten.“ Positionspapier des Wissenschaftsrates Der Wissenschaftsrat beschäftigte sich 2016 im Positionspapier „Wissens- und Technologietransfer als Gegenstand institutioneller Strategien“ mit dem Thema Transfer. Der Transferbegriff wird dabei weit gefasst und als seine Aufgabe die „dialogische Vermittlung und Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik“ definiert. Zu den Handlungsfeldern des Transfers gehört es, „Wissenschaft zu kommunizieren, wissenschaftlich zu beraten und Wissenschaft anzuwenden“.


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