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UNIPORTRÄT UNI 2 I 2019 55 | Aus Mangel … … an Bars und Discos zeigten Studierende Ende der 60er Jahre in Ilmenau Eigeniniti-ative und schufen sich ihre eigenen Veran-staltungsorte. Freistehende Abstellräume, in den damals Block genannten Studie-rendenwohnhäusern, boten Gelegenheit sich zu treffen, über Musik, Politik u. v. m. auszutauschen und zu feiern. Nicht lange und man öffnete sich Freun-den und anderen Studierenden und es entstanden die Jugendclubs. Ein fließender Übergang, der unterschiedliche Ereignisse als „Geburtsstunde“ zulässt. War es das erste Treffen, die erste Öffnung oder die Anerkennung durch die Freie Deutsche Jugend (FDJ), die in den Folgejahren als Rechtsträger fungieren sollte? Klar ist, dass nach der Gründung der Sektionen im Zuge der 3. Hochschulreform der DDR und einem zwischenzeitlichen Verbot von stu-dentischen Aktivitäten (erst) im November 1968 der I-Klub der Sektion Konstruktion und Technologie der Elektrotechnik und Feingerätetechnik (KONTEF) sowie der H-Klub der Sektion Technische und Biome-dizinische Kybernetik (TBK) und im Januar 1969 der C-Klub der Sektion Informations-technik und Theoretische Elektrotechnik (INTET) entstanden sind. Die Namen der Clubs wurden später abgekürzt zu „b“ für Block und den jeweiligen Buchstaben des Wohnheimes, also bc, BH, bi ... Die Anfänge … … des Clublebens waren von bescheide-nen Verhältnissen geprägt. Die Einrich-tung bestand zunächst aus einfachen Holzkisten. Oftmals war in den Clubs kein Verstärker vorhanden und für Musik mussten die Studierenden mit ihren Ton-bandgeräten selbst sorgen. Erst Stück für Stück und unter großem persönlichen, teils auch finanziellen Einsatz der damaligen Clubmitglieder wurden die Räumlichkei-ten nach und nach erweitert, Einrichtung geschaffen und Technik angeschafft. So feierte 1972 der bc-Klub den Erwerb der ersten Stereo-Musikanlage auf dem Campus. Zwei Nachzügler … … bildeten der BD-Studentenclub und das bc-Studentencafé. Aus „Platzmangel“ eröffnete im Oktober 1972 der D-Klub der Sektion Elektrotechnik, zu dessen Schaf-fung allein 6.000 „Mach mit!“-Stunden geleistet wurden. Das im Rahmen eines Kulturwettstreites der FDJ-Seminargrup-pen zunächst nur für begrenzte Zeit ins Leben gerufene Studentencafé als Al-ternativangebot für tagsüber wurde auf Grund der positiven Resonanz 1987 zu einer festen Einrichtung, die in den glei-chen Räumlichkeiten wie der C-Klub seine Heimat fand. Damit waren die noch heute bestehenden fünf Jugendclubs geboren. Einen Drahtseilakt … … galt es 1989/90 nicht nur auf höchster politischer Ebene zu bewältigen. Auch die Ilmenauer Studentenclubs standen mit dem Wegfall der FDJ als Rechtsträger vor einer ungewissen Zukunft. Die bis heute bestehende Lösung wurde in der Gründung eines eigenen eingetragenen Vereins gefunden – der Ilmenauer Studen-tenclub e.V. (ILSC). Damit verbunden war die völlige Unabhängigkeit von politischen Organisationen und Parteien sowie die finanzielle Eigenständigkeit. Als Sektio-nen des ILSC behielten die Clubs einen Großteil ihrer Souveränität und wurden Teil von etwas Größerem. Kooperationen und gegenseitige Hilfe wurden zum Alltag und spiegelten sich in zahlreichen gemein-samen Open-Air-Konzerten in den 90er Jahren wider. Ehrenamtliche Arbeit … … vor und hinter den Kulissen ermöglicht dabei seit jeher Veranstaltungen und güns-tige Preise für die Gäste, die so in keiner anderen Form möglich wären. Die Aufga-ben sind dabei so vielfältig wie man es sich nur denken kann. Neben Tätigkeiten am Einlass, an der Bar und am Tresen während der eigentlichen Veranstaltungen kann man parallel zum Studium sein Spektrum auch in den Bereichen Eventmanagement, Marketing, Veranstaltungstechnik, Con-trolling u.v.m. ausbauen und vertiefen. Dabei entstehen nicht nur Erfahrungen, sondern auch Netzwerke, auf die man im späteren Berufsleben zurückgreifen kann und die schon im Bewerbungsprozess entscheidende Vorteile bieten können. Einer ungewissen Zukunft … … blicken die Studentenclubs auch jetzt wieder entgegen. Die Veränderung der Hochschullandschaft und der Art des Studiums, andere Generationen von Stu-dierende - all das geht nicht spurlos an den Studentenclubs vorüber und macht sich sowohl in der Anzahl der aktiven Mitglieder als auch der Gäste bemerkbar. Viele ähnliche Studentenclubs in anderen Städten wie das Unikum in Erfurt oder die Schützengasse in Weimar sind in den letzten Jahren geschlossen worden. Umso wichtiger ist es, dass sich auch in Zukunft engagierte Kulturschaffende finden, die die ehrenamtliche Arbeit ihrer Vorgänger fortsetzen, um die Ilmenauer Studenten-clubs als integralen Teil des kulturellen Lebens der Campus-Familie und der Stadt Ilmenau auch für kommende Studieren-dengenerationen zu erhalten.


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