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UNIFORSCHUNG Neue Methode zur Untersuchung von Augengefäßen Risiko schon vor Erkrankung erkennen Die TU Ilmenau hat gemeinsam mit dem Medizintechnikhersteller Imedos Systems aus Jena ein medizi-nisches Verfahren entwickelt, mit dem die Veränderungen kleinster Gefäße im Auge sichtbar gemacht UNI 2 I 2019 33 | werden. Mit der neuen Methode können künftig das Risiko für eine Netzhautschädigung schon vor einer Erkrankung abgeschätzt werden und effektive Therapiemaßnah-men frühzeitig eingeleitet werden. Das innovative medizintechnische Verfahren zur Analyse der Netzhautgefäße, auf das die Projektpartner weltweit Patente ange-meldet haben, bestimmt schon heute den internationalen Standard. Die kapillaren Blutgefäße im Auge sind mit einem Durchmesser von weniger als zehn Mikrometern die kleinsten Blutgefäße des menschlichen Körpers. Sie dienen dazu, das umliegende Gewebe mit Sauerstoff zu versorgen. Dieser Austausch, Mikro-zirkulation genannt, wird durch Autore-gulation stabil gehalten. Bei Störungen der Zirkulation, wenn sich beispielsweise der Blutdruck oder der Augeninnendruck verändern, ändert sich der Durchmesser der Gefäße. So wird verhindert, dass bei Mithilfe eines kleinen Ballons, der an einem Brillengestell befestigt ist, wird der Augeninnendruck künstlich erhöht. TU Ilmenau, beschreibt die Wirkweise des Verfahrens: „Wir haben die wissenschaft-lich- technischen Voraussetzungen dafür geschaffen, den kapillaren Blutgefäßen bei ihrer Arbeit zuzusehen“. Die neue Methode basiert auf der künst-lichen Erhöhung des Augeninnendrucks Die Kurve zeigt im dunklen Bereich die Reaktion kleinster Blutgefäße im Auge infolge der künstlichen Erhö-hung des Augeninnendrucks. betrachtet werden. Herkömmliche Metho-den haben aber den Nachteil, dass damit nur bereits vorhandene Schäden erkannt werden. Mit der neuen Möglichkeit, die Funktion der Mikrozirkulation des Auges zu beobachten und zu bewerten, soll es in Zukunft möglich sein, Schädigungen der Netzhaut durch Gefäßerkrankungen Wir haben die wissenschaftlich-technischen Voraussetzungen dafür geschaffen, den kapillaren Blutgefäßen bei ihrer Arbeit zuzusehen. I Prof. Sascha Klee, TU Ilmenau Das könnte Voraussetzung für einen neuen diagnostischen Parameter und folgend völlig neue Behandlungs-verfahren beim Glaukom sein. I Prof. Nagel, Spezialist für Augen-heilkunde, Rudolstadt Aus den Änderungen der Gefäßreaktionen kann die Fähigkeit der Autoregulation bewertet werden. I Dr. Walthard Vilser, Geschäftsführer der Imedos Systems GmbH der Durchblutung und der Sauerstoffver-sorgung Mangelzustände auftreten, was zu Sehstörungen oder gar zur Erblindung führen kann. Die Wissenschaftler des Instituts für Bio-medizinische Technik der TU Ilmenau und der Imedos Systems GmbH, einer der füh-renden Hersteller von Analysesystemen für Netzhautgefäße, haben weltweit erstmals die Autoregulation sichtbar dargestellt und so eine Untersuchung der Kapillaren möglich gemacht. Prof. Sascha Klee, Leiter des Fachgebiets Optoelektrophysiologi-sche Medizintechnik und wissenschaftli-cher Leiter des Forschungsprojekts an der und ist für die Patienten völlig schmerzfrei. Um den Augeninnendruck zu erhöhen, wird ein kleiner Ballon, der an einem Bril-lengestell in Höhe des Lidwinkels befestigt ist, aufgeblasen. „Die so hervorgerufenen Reaktionen der Kapillaren können im Be-reich des Sehnervenkopfs aufgezeichnet und ausgewertet werden“, erläutert Dr. Walthard Vilser, Geschäftsführer der Im-edos Systems GmbH und Gastdozent an der TU Ilmenau. Aus den Änderungen der Gefäßreaktionen kann dann die Fähigkeit der Autoregulation bewertet werden. Schon seit längerem können die Kapillaren der Netzhaut mit bildgebenden Verfahren im Vorhinein zu erkennen und so zu ver-hindern. Prof. Dr. med. Nagel, Spezialist für Augenheilkunde aus Rudolstadt und Honorarprofessor für Ophthalmologie an der TU Ilmenau, der die Studie leitete, ist optimistisch, dass die neue Methode Patienten schon in naher Zukunft große Vorteile bringen wird: „Ich bin zuversicht-lich, damit schon sehr frühzeitig Risiken zur Entstehung und zum Fortschreiten von gefäßbedingten Netzhauterkrankungen erkennen zu können. Das könnte eine Voraussetzung für einen neuen diagnos-tischen Parameter und folgend völlig neue Behandlungsverfahren beim Glaukom, dem Grünen Star, sein.“


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