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UNIFORSCHUNG Labor für biologisch inspirierte Elektronik Start für Ilmenauer ForLab NSME Am Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien der TU Ilmenau entsteht ein Labor zur Herstellung und Cha-rakterisierung biologisch inspirierter, sogenannter neuromorpher Elektronik. Der Aufbau wird über drei Jahre mit Mitteln in Höhe von 4,6 Millionen Euro aus dem Programm „Forschungslabore Mikroelektronik Deutschland (ForLab)“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. In Deutschland entstehen insgesamt zwölf „Forschungslabore Mikroelektronik“. Mit dem Zuschlag des BMBF setzte sich die TU Ilmenau in einem mehrstufigen Auswahlverfahren gegen insgesamt 40 Forschungseinrichtungen durch. Am 10. April 2019 wurde das ForLab für neu-romorphe Elektronik Ilmenau im Beisein des Thüringer Wissenschaftsministers Wolfgang Tiefensee, des Rektors der TU Ilmenau, den beteiligten Fachgebieten und weiteren Partnern offiziell eingeweiht. Koordiniert wird das Vorhaben von Prof. Martin Ziegler, der im Juli 2018 als Univer-sitätsprofessor und Leiter des Fachgebiets Mikro- und nanoelektronische Systeme an die TU Ilmenau berufen wurde. Der Experte für biologisch inspirierte Schalt-kreise ist sich sicher, dass die realisierba-ren bio-inspirierten Rechenarchitekturen den Energieverbrauch deutlich senken werden. Professor Jens Müller, der als vormaliger Direktor des IMN MacroNano® die Beteiligung der TU Ilmenau am Wett-bewerbsprogramm ForLab geleitet hatte, unterstrich nochmals die Zielstellung des Vorhabens: „Damit wollen wir unsere Kompetenzen und unsere Position als Standort für Mikro- und Nanotechnologi-en weiter stärken und ausbauen.“ | 30 UNI 2 I 2019 In Ilmenau werden künftig neuromorphe Systeme entwickelt, also mikroelektroni-sche Bauelemente und Schaltungen auf der Basis neurobiologischer Gesetzmäßig-keiten. Mit den Elektronikkomponenten, die durch biologisch inspirierte Signalver-arbeitungs- und Speichermechanismen besonders energieeffizient arbeiten, schaffen die Ilmenauer Forscher eine neue Qualität in der Mikroelektronik. Dafür ver-knüpfen die Wissenschaftler aus fünf Fach-gebieten die supraleitende Elektronik mit der neuromorphen Memristor-Elektronik. Der Begriff Memristor – zusammengesetzt aus den englischen Wörtern für Gedächt-nis, Memory, und Widerstand, Resistor – umschreibt elektronische Komponenten, die in der Lage sind, Informationen durch veränderbare Widerstandszustände zu speichern. Mit diesem Verhalten ähneln Memristoren den Synapsen im mensch-lichen Gehirn. Mit dem Labor zur Entwicklung neuromor-pher Elektronik erweitert und modernisiert die TU Ilmenau ihre Forschungsinfrastruk-tur. Die neuen Forschungsanlagen werden in das bestehende Zentrum für Mikro- und Nanotechnologien integriert und stehen damit nicht nur den Ilmenauer Wissen-schaftlern, sondern auch allen internen und externen Nutzern des Hightech- Gerätezentrums zur Verfügung. Bei der bundesweiten Auftaktveranstal-tung der ForLab-Projekte am 5. Februar in Aachen betonte Thomas Rachel, Par-lamentarischer Staatssekretär im Bundes-ministerium für Bildung und Forschung, die wichtige Rolle der Hochschulen für die Zukunftsfähigkeit des deutschen Innovati-onssystems: „Technologische Souveränität im Zeitalter der Digitalisierung braucht eine Spitzen-Ausstattung für Spitzen- Forschung nicht allein in der Wirtschaft, sondern auch in der Wissenschaft. Wichtig sind uns dabei der Zugang auch kleiner und mittlerer Unternehmen zu einer mo-dernen Forschungsinfrastruktur und eine Ausbildung der Nachwuchskräfte, die den steigenden Anforderungen gerecht wird.“ Um Synergien in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit nutzen zu können, werden die zwölf ForLabs untereinan-der vernetzt sein und sich auch mit den Wissenschaftlern der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland austauschen, einem Verbund aus elf Fraunhofer-Insti-tuten und den zwei Leibniz-Instituten für Höchstfrequenztechnik Ferdinand Braun und für innovative Mikroelektronik IHP.


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