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UNI 2 I 2019 21 | IM INTERVIEW PROF. DR. JEAN PIERRE BERGMANN Koordinator des Mittelstand 4.0 – Kompetenzzentrums Ilmenau Modellfabrik PRODUKTIONSSTEUERUNG Die Modellfabrik Produktionssteuerung ist direkt als „lebende Fabrik“ konzipiert. Beim Rundgang in Oberspier kann man sich Demonstrationsobjekte für selbstkon-figurierende Plug-and-Produce Maschinen anschauen oder Roboter und diverse Auto-matisierungslösungen für den Fabrikalltag begutachten. Autonome Transportsysteme im produzierenden Gewerbe oder kont-rolliertes Anfahren von Maschinenparks unter Aspekten des Energieverbrauchs zählen zu den Umsetzungsprojekten der Modellfabrik. UNI: Wie ist die Kooperation zwischen der TU Ilmenau gestaltet und wie kann die TU diese Partnerschaft für sich nutzen? Prof. Bergmann: Das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Ilmenau ist ein Verbundvorhaben der EAH Jena, der GFE Schmalkalden e.V., des Fab-i 4.0 e.V., des IMMS Ilmenau und der Technischen Universität Ilmenau. Letztere ist gleichzeitig auch Konsortialführer des Kompetenzzentrums. Das Ziel ist, Unternehmen in der Region bei der Digitalisierung zu unterstützen. Somit nimmt das Vorhaben eine Schlüsselrolle an der Schnittstelle zwischen Forschung und Überführung von Erkenntnissen in die Wirtschaft ein. Für die TU ist das Vorhaben insofern wichtig, da es erlaubt, in den Unternehmen die Bedürfnisse von Digitalisierungsmaßnahmen einzugrenzen und entsprechend nutzerabhängig in gemeinsamen kleinen Projekten umzusetzen. Darüber hinaus ergeben sich aus der Analyse des Standes der Unternehmen Ansatzpunkte und Ansätze, die eine wissenschaftliche Betrachtung ermöglichen. In diesem Sinne ist auch eine wissenschaftliche Verwertung des Vorhabens nötig. Erste Drittmittelvorhaben aus den Themenstellungen des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Ilmenau sind bereits initiiert worden und betrachten insbesondere die gezielte Nutzung von Daten im Unternehmen, um frühzeitig Bedarfe und Kapazitäten in der Planung festzulegen und Engpässe zu erkennen und aufzulösen. UNI: Welchen Nutzen haben Studierende davon? Prof. Bergmann: Studierende profitieren auf zwei Ebenen: zum einen können diese durch Tätigkeiten im Vorhaben frühzeitig mit den Unternehmen in der Region in Kontakt kommen und entsprechend Themenstellungen für Abschlussarbeiten und auch für Promotionen ableiten. Zum anderen sind die Praxisfälle, die im Kompetenzzentrum erarbeitet werden, hervorragende Anschauungsbeispiele, die unmittelbar in die Lehre eingebunden werden. Praxis und Wissenschaft werden hier rasch zusammengeführt. UNI: Wie wird das Angebot von den Thüringer KMU angenommen? Professor Bergmann: Die Unterstützung ist für Unternehmen der Region angedacht. Durch die unterschiedlichen Modellfabriken können wir fast den gesamten Freistaat erreichen. Die Erfahrung belegt, dass das Kompetenzzentrum vielen Unternehmen, die bislang keinen Kontakt in die Wissenschaft hatten, die Türen zu den Thüringer Hochschulen öffnet. Die anfänglich erwartete Zurückhaltung konnten wir nicht beobachten. Viele Unternehmen in der Region sind offen und nehmen unser Angebot gern an. Andere werden vielleicht etwas mehr Zeit brauchen. UNI: Welche positiven Effekte werden für die KMU erzielt? Professor Bergmann: Viele Unternehmen befassen sich mit Unterstützung des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Ilmenau damit, ihre Strukturen effizienter zu gestalten und den Grad ihrer Vernetzung zu erhöhen. Die Arbeit im Netzwerk unterstützt Thüringer Unternehmen in ihrer Wettbewerbsfähigkeit, da sie Großaufträge nicht mehr ablehnen müssen, sondern sie stattdessen gemeinsam bearbeiten können. Unternehmen werden nicht mehr nur als eine geschlossene Sondereinheit betrachtet, sondern als im Netzwerk agierend. Die Folgen sind Möglichkeiten der Entstörung entlang der Lieferkette und beispielsweise im Engineering. Wir nutzen die Vorteile von kleinen Strukturen aus, um daraus größere und agilere Einheiten zu bilden, die sich erfolgreich am Markt behaupten können.


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