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UNI_02_2016

UNISTUDIUM TU Ilmenau plant Diplomstudiengänge Die TU Ilmenau will Elektrotechnik und Maschinenbau als Diplomstudiengänge einführen. Darauf haben sich das Thüringer Wissenschaftsministerium und die Universitätsleitung Anfang Mai verständigt. Der Senat der Universität hatte den Plänen zuvor mehrheitlich zugestimmt. „Studieninteressierte sollen die Wahl haben zwischen den neuen Diplomstudiengängen und den bisherigen Bachelor- und Masterstudiengängen“, so der Rektor, Professor Peter Scharff. Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee unterstützt einen entsprechenden Modellversuch der TU Ilmenau: „Das ist ein zusätzliches Angebot, um die Ingenieurausbildung in Ilmenau zu stärken und zusätzliche Studierende zu gewinnen. Wir haben den vorliegenden Antrag der TU deshalb genehmigt und werden nun kurzfristig die Rechtsgrundlage für die neuen Studiengänge schaffen.“ Die TU Ilmenau plant die je 10-semestrigen ingenieurwissenschaftlichen Diplomstudiengänge Elektrotechnik und Maschinenbau im Rahmen eines zunächst 6-jährigen Modellversuches anzubieten. Die einzügigen Studiengänge sollen den Studierenden Möglichkeiten bieten, die im Bachelor-/Mastersystem nicht angeboten werden können. So ist es derzeit nur schwer möglich, sich das eigene Studium individuell so zu gestalten, dass es zielgenau auf künftige Berufswünsche hinführt. Die neuen Diplomstudiengänge hingegen | 26 UNI I 02 I 2016 sollen eine Vielfalt von Eigenaktivität der Studierenden ermöglichen. Sie können Haupt- und Nebenfach selbstbestimmt kombinieren und auch „artfremde“ Fächer auswählen. Ein Techniker kann beispielsweise im Nebenfach auch Japanistik studieren, wenn ihm dies für seine berufliche Karriere in Asien dienlich erscheint. Angesichts der zunehmend globalisierten Welt sollen die neuen Studienmöglichkeiten vor allem auch in Bezug auf Auslandsaufenthalte flexibel sein. Während ihres Studiums können die Studentinnen und Studenten mindestens zwei und höchstens vier Semester im Ausland verbringen, etwa an einer renommierten Hochschule, die bestimmte fachliche Schwerpunkte anbietet. Ein Fachpraktikum oder die Diplomarbeit ließen sich ebenfalls im Rahmen eines Auslandsaufenthaltes realisieren. Am Ende ihres Studiums erhalten die Studierenden der Elektrotechnik und des Maschinenbaus den international anerkannten „Diplom“- Grad mit Berufsbezeichnung „Diplom- Ingenieur“. Gleichzeitig wird ihnen die Gleichwertigkeit mit dem Masterabschluss bescheinigt. Der Rektor der TU Ilmenau, Prof. Peter Scharff, ist sich sicher, dass das zusätzliche Studienangebot auf großen Zuspruch stoßen wird: „Mit den Diplomstudiengängen sprechen wir Studierende mit Eigenverantwortung an. Damit geben wir jungen Männern und Frauen die Freiheit, mit ihrem Studium die eigene Zukunft auf die persönlichen Bedürfnisse abzustimmen.” Die TU Ilmenau würde die Diplomstudiengänge gern schon im Wintersemester 2016/17 anbieten, zuvor müssen aber noch Studienpläne und die erforderlichen Satzungen durch die Hochschule erarbeitet und die Rechtsverordnung durch das Wissenschaftsministerium erlassen werden. Bei der Umsetzung des Modellversuchs habe man von der so genannten „Erprobungsklausel“ im Thüringer Hochschulgesetz Gebrauch gemacht, sagte Wissenschaftsminister Tiefensee. „Nach sechs Jahren wird es dann eine gründliche Evaluation geben, um festzustellen, ob dieses Modell auf Dauer angelegt werden soll.“ Er habe von Anfang an keinen Hehl daraus gemacht, dass er den Vorstoß der TU Ilmenau richtig und unterstützenswert fände, so der Minister weiter: „Der Abschluss ‚Diplom-Ingenieur‘ ist bis heute ein international anerkanntes Gütesiegel der ingenieurwissenschaftlichen Ausbildung in Deutschland. Das sollten wir für den Hochschulstandort Thüringen nutzbar machen.“ Dabei gehe es aber nicht darum, den Bologna-Prozess aufzuhalten oder zurückzudrehen: „Das Diplomstudium ist und bleibt ein ergänzendes Angebot, das Studierende annehmen können, aber nicht müssen. An Bologna wird nicht gerüttelt.“ Fotos: ari Modellversuch


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