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UNI_02_2016

UNIPOLITIK Exzellenzinitiative: Dahin geht die Reise UNI I 02 I 2016 15 | Seit letztem Jahr bereits haben wir Wissenschaftspolitiker uns intensiv über die Zukunft der Exzellenzinitiative Gedanken gemacht. Ende Januar wurde dann der Bericht der „Imboden- Kommission“ veröffentlicht. Die internationale Expertengruppe um den Schweizer Dieter Imboden hat die Exzellenzinitiative evaluiert und ihre Reformvorschläge vorgestellt. Diese wurden in der deutschen Bundes- und Landespolitik mit großen Interesse aufgenommen und nur wenige Wochen später begannen bereits die Verhandlungen zwischen Bund und Ländern. Am 22. April wurde die „Bund-Länder-Vereinbarung zur Förderung von Spitzenforschung an Universitäten“ durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz verabschiedet und am 16. Juni von Bund und Ländern beschlossen. Damit wurde der Weg für die zweite Runde der Exzellenzinitiative frei. Die Exzellenzinitiative hat eine neue Dynamik in das gesamte deutsche Wissenschaftssystem gebracht. Dafür gab es von der Kommission höchstes Lob. Die Spitzenforschung in Deutschland wurde mit ihr noch besser und endlich auch im Ausland deutlicher sichtbar. Von dem gesteigerten internationalen Renommee und den verbesserten Forschungsbedingungen der deutschen Hochschullandschaft profitieren natürlich auch die Studierenden. Für uns stand daher schnell fest, dass die Exzellenzinitiative mindestens im selben finanziellen Umfang fortgesetzt werden soll. Die Finanzierung wird nun auch weiterhin zu drei Vierteln vom Bund getragen und zu einem Viertel von den Ländern. Entscheidende Leitlinien bleiben für uns, dass die Exzellenzinitiative Spitze und Breite der deutschen Forschung fördert und einen Mehrwert für das Gesamtsystem Wissenschaft erbringt. Dazu ist es entscheidend, dass es einen offenen, wissenschaftsgeleiteten Wettbewerb um die Gelder gibt, so dass nicht nur die Spitzen-Universitäten selbst profitieren, sondern auch ein Anreiz für andere Universitäten besteht, besser zu werden. Zudem soll die Antragsbürokratie für die Universitäten deutlich verringert werden. Unstrittig war auch, dass eine der drei bisherigen Förderlinien, die Graduiertenschulen, nicht mehr notwendig ist. Diese haben auch über die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ausreichend Möglichkeiten der externen Finanzierung. Die Exzellenzcluster bleiben das Herzstück der Exzellenzinitiative, sollten allerdings flexibler ausgestaltet werden. So sind künftig unterschiedlich große Cluster möglich, also auch kleinere Cluster oder solche, bei denen verschiedene Einrichtungen an unterschiedlichen Orten zusammen arbeiten. Davon profitieren Universitäten außerhalb der großen Ballungsräume und geisteswissenschaftliche Fächer. Für die Exzellenzcluster werden voraussichtlich etwa 380 Millionen Euro pro Jahr bereitgestellt. Sie werden für sieben Jahre bewilligt und können nach erfolgreicher Evaluation eine zweite siebenjährige Förderung erhalten. Die zweite künftige Förderlinie betrifft die sogenannten „Exzellenzuniversitäten“, von denen es voraussichtlich acht bis elf geben wird. Sie sollen etwa 150 Millionen Euro bekommen. Geht man von zehn Exzellenzuniversitäten aus, wären dies also rechnerisch etwa 15 Millionen Euro pro Universität. Zudem sind künftig auch Verbundbewerbungen möglich, bei denen sich mehrere Universitäten zusammen bewerben. Exzellenzuniversitäten sollen dauerhaft finanziert werden, solange sie positiv evaluiert werden. Bewerben kann sich jedoch nur, wer mindestens zwei Exzellenzcluster eingeworben hat. Die neue Runde der Exzellenzinitiative wird erst etwa zwei Jahre später starten als ursprünglich geplant. Bis dahin erhalten die bisherigen Exzellenzuniversitäten eine Überbrückungsfinanzierung. Dies hat den großen Vorteil, dass Universitäten, die nur über eine Phase der Exzellenzinitiative gefördert wurden, die notwendige Zeit erhalten, um die erreichten Strukturreformen zu konsolidieren. Auch wird so Planungssicherheit für jene Wissenschaftler geschaffen, die aus Exzellenzgeldern bezahlt werden. Gerade für kleinere und mittelgroße Universitäten wie die TU Ilmenau bietet die Flexibilisierung bei den Exzellenzclustern große Chancen. So können künftig auch kleinere Forschungsverbünde von der Exzellenzförderung profitieren. Hier ist die TU Ilmenau mit ihrer exzellenten Vernetzung mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen bestens aufgestellt. Gastbeitrag von Tankred Schipanski von Tankred Schipanski (CDU), Ilmenauer Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technologiefolgenabschätzung Der Ilmenauer Bundestagsabgeordnete und ehemalige Wissenschaftler an der TU Ilmenau, Tankred Schipanski (39), ist unter anderem Mitglied des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. Im Gastbeitrag für UNI berichtet der Wissenschaftspolitiker zur zweiten Runde der Exzellenzinitiative. Foto: Tobias Koch


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