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INTERVIEW MIT UNITITEL UNI Was genau passiert im Gehirn während der Stromstimulation? MATTHIAS KLEMM: Die Stromstimulation ruft Veränderungen der Gehirnfunktionen hervor, indem das Ruhemembranpotenzial der Neuronen depolarisiert oder hyperpolarisiert wird. Ein positiver Stimulationsstrom, die anodale Stimulation, führt zu einer Depolarisation des Ruhemembranpotenzials, wodurch die neuronale Erregbarkeit erhöht wird und häufiger Aktionspotenziale ausgelöst werden können. Damit wird die Kommunikation der Nervenzellen untereinander verbessert. Ein negativer Stimulationsstrom, die kathodale Stimulation, führt zu einer Hyperpolarisation des Ruhemembranpotentials. Dadurch wird die Erregbarkeit der Neuronen verringert und es können weniger Aktionspotenziale ausgelöst werden. Das hat also eher eine hemmende Wirkung. Deshalb sind Stromrichtung und Stromstärke im Zielgebiet von so großer Bedeutung für einen Behandlungserfolg. UNI Die TSS-Therapie ist noch sehr jung. Wie kann ihre Akzeptanz bei Ärzten und Patienten gesteigert werden? MATTHIAS KLEMM: Die Akzeptanz wird verbessert, indem nachgewiesen werden kann, dass die Stromstimulation für den Patienten eine nachhaltige Steigerung der Lebensqualität erreicht und dabei schmerz- und nebenwirkungsfrei ist. Die Stromstimulationsverfahren sollten dabei gleichwertige oder sogar bessere Ergebnisse liefern als die aktuellen Behandlungsverfahren. Bei Depressionen ist dies beispielsweise der Fall, da teilweise bessere Behandlungserfolge als durch die Gabe von Medikamenten oder eine Psychotherapie erzielt werden konnten. Die Kosten spielen natürlich auch eine Rolle für die Akzeptanz eines neuen Verfahrens. Auch da kann die Stromstimulation aktuell schon preisgünstiger sein als Medikamente gegen Depressionen. UNI Welche weiteren Entwicklungen streben Sie für die Zukunft an? MATTHIAS KLEMM: In den nächsten Schritten wird das Haubensystem auf Basis von Erfahrungen bei den klinischen Studien weiter verbessert in Bezug auf Handhabung und Komfort für den Patienten. Die Vision bzw. das mittelfristige Ziel ist die Ermöglichung der Heimanwendung unserer neu entwickelten Technologien. Weiterhin muss die Dualhaube vom aktuellen Status des Prinzipnachweises in erste Studien überführt werden. Es gibt also noch viel zu tun. U UNNI II I0 011 I I2 2001166 23 | Förderkennzeichen 03IPT605A Innoprofile-Transfer-Projekt EyeTSS FÖRDERUNG: Bundesministerium für Bildung und Forschung LAUFZEIT: 01/2013 bis 12/2015 FÖRDERUMFANG: 2 Millionen Euro (Gesamtprojekt) PARTNER: TU Ilmenau: Professor Jens Haueisen, Matthias Klemm, Alexander Hunold, Stefanie Freitag, Patrique Fiedler, Sascha Klee, Daniel Strohmeier OphthalmoInnovation GmbH Jena neuroConn GmbH Ilmenau warmX GmbH Apolda Universitätsmedizin Göttingen MATTHIAS KLEMM | Projektkoordinator EyeTSS


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