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UNI 1 2016 Web

DIE SICHT VON AUßEN Univ.-Prof. Dr. med. MICHAEL NITSCHE LEIBNIZ-INSTITUT FÜR ARBEITSFORSCHUNG AN DER TU DORTMUND UNI I 01 I 2016 21 | NEUARTIGE HAUBE ERSETZT AUFWÄNDIGE VERFAHREN Ziel dieser Behandlungsschemata ist es, eine therapeutische Wirkung des Stroms im Zielareal hervorzurufen, gleichzeitig aber die Strombelastung des übrigen Gewebes zu minimieren. Um die von Klinikärzten und niedergelassenen Neurologen gewünschte Intensität der Stromdichte in den betroffenen Zielarealen zu realisieren, haben die Forscher der EyeTSS-Gruppe ein variabel kombinierbares Array mit bis zu 16 flächigen Elektroden zur Mehrkanalstimulation entwickelt. Die einzelnen Stimulationselektroden werden durch eine speziell angepasste, hochpräzise Elektronik des Kooperationspartners neuroConn GmbH Das Gehirn ist das wesentliche Organ, das unser Verhalten und Erleben determiniert. Neu entwickelte Technologien haben in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen, die Funktionsweise des menschlichen Gehirns besser zu verstehen. Wir wissen heute, dass die Nervenzellen des Gehirns elektrisch miteinander kommunizieren und dass Veränderungen der Ešzienz dieser Kommunikation eine wesentliche Rolle für psychologische Prozesse, Verhalten und Motorik spielen. Störungen dieser Kommunikation sind an einer Vielzahl neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen beteiligt. Nicht-invasive Hirnstimulationsverfahren wie die transkraniale Gleichstromstimulation sind in der Lage, in diese Kommunikation einzugreifen und Verhalten und Erleben zu verändern. Welche Parameter der Stimulation optimal für die Erzielung der E ekte geeignet sind, wurde bisher nicht systematisch untersucht, ist aber von entscheidender Bedeutung für den zukünftigen Einsatz der Methode in den Grundlagenwissenschaften und für die Behandlung von Patienten. Hier setzt das Projekt EyeTSS an. In diesem kooperativen Projekt werden auf der Grundlage eines Modells der neurovaskulären Kopplung optimierte Stimulationsprotokolle und Stimulationsgeräte entwickelt und hinsichtlich ihrer E ekte auf das menschliche Gehirn überprüft. Dieses ist ein wesentlicher Schritt, um eine weitere Verbreitung dieses Verfahrens zu gewährleisten und es in die Routine-Therapie von Erkrankungen des Nervensystems einzuführen. 21 | UNI I 02 I 2015 Computersimulation und physisches Schädelmodell zur Optimierung und Validierung der transkranialen Stromstimulation. aus Ilmenau angesteuert. „Je nach zu adressierendem Zielvolumen und den dort erwünschten lokalen Effekte werden die Elektroden unterschiedlich aktiviert“, erklärt Matthias Klemm das Verfahren. Die Vorteile gegenüber den bisherigen Stromstimulationen mit lediglich zwei großflächigen Stimulationselektroden aus Gummi, die manuell mit Hilfe von Fixierbändern oder adhäsiven Pasten am Kopf angebracht werden mussten, liegen auf der Hand: Das bisherige Vorgehen ist aufwändig, fehleranfällig und erfordert gut ausgebildetes Personal. Eine Mehrkanalstimulation, wie sie von der Ilmenauer Gruppe entwickelt wurde, kann so nicht reproduzierbar realisiert werden. Stattdessen arbeiten die Forscher an innovativen Haubenkonzepten auf Basis textiler


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