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Das AUGE als FENSTER ins GEHIRN UNITITEL NEUE THERAPIE FÜR NEUROPSYCHIATRISCHE ERKRANKUNGEN UNI I 01 I 2016 17 | Jährlich werden 260.000 Schlaganfälle in Deutschland gezählt, fast die Hälfte der Patienten erleiden dadurch mittelschwere bis schwere Funktionsstörungen. Ein Schlaganfall ist damit die häufigste Ursache für eine erworbene Behinderung im Erwachsenenalter. Noch dramatischer sind die Zahlen bei Alzheimererkrankungen. Allein in Deutschland sind 1,2 Millionen Menschen an Demenz erkrankt und Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl der Betroffenen bis 2030 noch verdoppelt. „Diese häufigen Erkrankungen, aber auch viele weitere Erkrankungen wie Depressionen oder Parkinson führen zu Veränderungen der kortikalen Erregbarkeit und damit der Hirnfunktion“, sagt der Leiter des Instituts für Biomedizinische Technik und Informatik (BMTI) der TU Ilmenau, Professor Jens Haueisen. „Diese Veränderungen verringern die Leistungsfähigkeit der Patienten und können ihr gesamtes Leben enorm einschränken. Mit unserer immer älter werdenden Gesellschaft nehmen diese Erkrankungen stetig zu. Therapien, die die Gehirnfunktion oder die Rehabilitation positiv beeinflussen, gewinnen deshalb immer mehr an Bedeutung.“ THERAPIEPOTENZIAL LÄNGST NICHT AUSGESCHÖPFT Bei der Suche nach wirkungsvollen Behandlungsmethoden ist die transkraniale Stromstimulation sowohl für die Grundlagenforschung als auch die Therapie in Kliniken und Praxen von großem Interesse. Bei der Methode werden auf der Kopfhaut Elektroden angebracht, die einen schwachen elektrischen Strom durch den Schädelknochen hindurch (transkranial) zum Gehirn leiten. Da die Stromstärke nur wenige Milliampere beträgt, ist die 20- bis 30-minütige Behandlung für den Patienten schmerzfrei. Mit dem früheren Schreckensszenarium einer Elektrokrampftherapie hat das heutige Verfahren also nichts mehr zu tun. Aber können so geringe Dosen elektrischer Energie auch eine Wirkung hervorrufen? Ja, bestätigen neueste Untersuchungen. Professor Haueisen:


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