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UNI 2 2015

W Am 20. März 2015 ist unser geschätz-ter ehemaliger Kollege und Vorgesetzter, Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Heinz-Ulrich Sei-del, plötzlich und unerwartet im Alter von 71 Jahren verstorben. Prof. Seidel war nach dem Studium der The-oretischen Elektrotechnik als wissenschaftli-cher Mitarbeiter in diesem Fachgebiet tätig und promovierte dort 1972 auf dem Gebiet supraleitender Dünnschichtschaltungen. Seit der Gründung des Wissenschaftsbe-reiches | 64 UNI I 02 I 2015 „Informationstechnik“ im gleichen Jahr war er als wissenschaftlicher Oberas-sistent tätig und beschäftigte sich dort mit thermisch-elektrischen Feldproblemen an widerstandsbeheizten Glasöfen. Auf diesem Gebiet hat er 1978 seine Habilitationsschrift verteidigt. Prof. Seidel war mit Leidenschaft Hoch-schullehrer. 1978 wurde er zum Hochschul-dozenten und 1986 zum außerordentlichen Professor für Allgemeine Elektrotechnik be-rufen. 1994 erfolgte seine Berufung zum Universitätsprofessor für Grundlagen der Elektrotechnik. Tausende von Studentinnen und Studenten behalten seine engagierten und pädagogisch fundierten Vorlesungen, sein didaktisches Geschick sowie die ge-rechten Prüfungen in bester Erinnerung. Das Lehrwerk Seidel/Wagner: Allgemeine Elektrotechnik I und II hat sich bereits über 20 Jahre in der Ausbildung der ingenieur-wissenschaftlichen Studiengänge an der TU Ilmenau bewährt. Hervorzuheben ist auch sein zweijähriger Einsatz von 1979 bis 1981 als Hochschul-lehrer und Leiter einer Gruppe am Centre Universitaire Setif (Algerien), wo er maß-geblich am Aufbau des Instituts für Feinme- IN MEMORIAM Professor Heinz-Ulrich Seidel chanik und Optik und an der Entwicklung der studentischen Ausbildung beteiligt war. Auf der 1. Algerisch-Deutschen Internatio-nalen Konferenz über neue Technologien „AGICNT 08“ im Mai 2008 wurde seine Ar-beit in Algerien als beispielhaft gewürdigt. Nach der Rückkehr aus Algerien an unsere Bildungseinrichtung hat er entsprechend dem geänderten Forschungsprofil des Wis-senschaftsbereiches eine Forschungsgruppe Signalerkennung aufgebaut. Prof. Seidel hat 12 Promotionen und eine Habilitation betreut und zahlreiche Gradu-ierungsverfahren und Berufungskommissi-onen verantwortungsvoll geleitet. Von 1987 bis 1989 war Prof. Seidel Direktor der damaligen Sektion Informationstechnik und Theoretische Elektrotechnik. Von 1990 bis 1995 war er Prodekan und von 2001 bis 2009 Dekan der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik. In diesen Funktionen hat er ganz entscheidend zum Aufbau und zur Profilierung einer in Forschung und Leh-re leistungsfähigen Fakultät und der Erhal-tung ihrer traditionell guten Werte beige-tragen. Er war langjährig Mitglied im Senat und Konzil der TU Ilmenau und hat in der Arbeitsgruppe Hochschulentwicklung und UNIMENSCHEN IN MEMORIAM Professor Frieder Hülsenberg Als Ende der 1980er Jahre die „Erfinder“ der Ilmenauer Wirtschaftsinformatik an der Konzeption des in der DDR noch nirgends etablierten Diplomstudiengangs feilten, konnten sie nicht ahnen, dass knapp 30 Jahre später im bundesweiten Vergleich der Absolventinnen und Absolventen der Wirtschaftsinformatik die Ilmenauer einen hervorragenden Platz 4 auf der Beliebtheits-skala von über 500 Personalchefs der deut-schen Wirtschaft einnehmen und über Jahre verteidigen würden. Einem der damaligen Visionäre, Prof. Frieder Hülsenberg, soll aus Anlass seines Todes zu Beginn dieses Jahres ein kurzer Rückblick auf jene turbulente Zeit gewidmet sein, die noch vor der politischen Wende einen Meilenstein für die Anfang der 1990er Jahre gegründete Fakultät für Wirtschaftswissen-schaften setzte. Emeritus Prof. Peter Gmilkowsky, erster Ilmenauer Professor für Wirtschaftsinfor-matik, erinnert sich, mit wie viel Enthu-siasmus, Diplomatie und Hartnäckigkeit sein damaliger Kollege Frieder Hülsen-berg, Direktor der Sektion Mathematik, Rechentechnik und Ökonomische Kyber-netik (MARÖK), das Unmögliche mög-lich machte und mit dem Beschluss des Hochschulsenates im Gepäck 1988 dem zuständigen DDR-Ministerium die Geneh-migung des ersten Wirtschaftsinformatik- Studiengangs an ostdeutschen Hochschu-len geradezu abverhandelte. Dank seiner engen Kontakte zu einflussreichen Indus-triepartnern erfolgte die Ausstattung mit für DDR-Verhältnisse modernster Rechen-technik, u. a. mit Personalcomputern für Rechnerlabore, in denen erste Planspiele für Studierende möglich wurden.


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