Page 47

UNI 2 2015

UNIFORSCHUNG Ilmenauer Absoventin nimmt an NASA-Studie teil Ein Jahr in simulierter Marsstation Dr. Christiane Heinicke (29) stammt aus Bitterfeld-Wolfen und studierte an der TU Ilmenau Technische Physik im Bachelor. Für den Master of Science in Geophysik ging sie nach Upsa-la in Schweden. Wieder in Ilmenau, schloss sie im Jahr 2013 die Promotion am DFG-Graduiertenkolleg „Lorentzkraft“ ab. Zuletzt forschte sie an der Aalto University in Finnland an numerischen Simulationen von Meereis. UNI I 02 I 2015 47 | Ziel der NASA-finanzierten und von der University of Hawaii durchgeführten Hawaii Space Exploration Analog and Simula-tion (HI-SEAS)-Mission ist es, die Faktoren zu bestimmen, die die Gruppendynamik auf zukünftigen Marsmissionen beeinflus-sen. Die HI-SEAS-Station gleicht dabei einer wissenschaftlichen Station, wie sie auf dem Mars stehen könnte: Das einzige Fens-ter des kuppelförmigen Habitats bietet Ausblick auf endlose Weiten trockenen Vulkangesteins. Wollen die Crewmitglieder die solarbetriebene Kuppel von rund 11 Metern Durchmesser verlassen, müssen sie einen Raumanzug tragen. Jegliche Kom-munikation mit der „Erde“ ist wegen der riesigen interplaneta-ren Entfernungen um 20 Minuten verzögert – telefonieren ist damit unmöglich. Je länger eine Mission dauert, umso wichtiger ist es, dass die Teammitglieder zueinander passen. Wie entwickelt sich das Ver-halten der Gruppe, wenn sie über einen langen Zeitraum in völ-liger Isolation auf engstem Raum zusammenlebt? Wie verändert sich die Interaktion zwischen den Mitgliedern? Wer übernimmt welche Rolle? Diese Fragen sind von entscheidender Bedeutung für die richtige Zusammensetzung einer Crew und die wiederum für den Erfolg von Weltraummissionen. Die HI-SEAS-Studie, mit 365 Tagen eine der längsten Marssimulationen bisher, soll dafür wichtige Antworten liefern. Christiane Heinicke, die im Frühjahr zufällig von der Mission erfuhr, war sofort fasziniert. „Ein solches Projekt ist etwas ganz Außergewöhnliches und ich habe spontan beschlossen, mich zu bewerben.“ Am Ende des Auswahlprozesses, der eng an den der NASA für Astronauten angelehnt war, wurde die Ilmenauer Absolventin als einzige Deutsche als Mitglied der HI-SEAS-Crew ausgewählt. „Ich freue mich sehr, dass es geklappt hat, und bin gespannt, welche Herausforderungen auf uns warten und wie wir sie meistern werden“, sagte sie kurz vor ihrer Abreise. „Ich freue mich auf die enge Zusammenarbeit mit fünf hochmoti-vierten Wissenschaftlern und hoffe, dass wir nach einem Jahr mit vielen interessanten Ergebnissen und neuen Erfahrungen zurückkehren - nicht als erbitterte Feinde, sondern als unver-gleichliche Freunde.“ Während der zwölf Monate im Habitat werden die drei Frauen und drei Männer der Crew permanent überwacht. Ihre Bewe-gungsmuster werden aufgezeichnet und das Team muss regel-mäßig Fragebögen ausfüllen. Zusätzlich beschäftigen sich die Wissenschaftler mit geologischen Untersuchungen und eigenen Forschungsprojekten. Christiane Heinicke wird unter anderem versuchen, Wasser aus dem trockenen Boden zu gewinnen. Mit einer Version ihres Versuchsaufbaus kann möglicherweise in Zu-kunft Wasser für Astronauten auf dem Mars gewonnen werden. Außerdem wird sie den Schlaf der Crewmitglieder untersuchen – Schlafmangel ist bislang eines der größten ungelösten Probleme auf Langzeitmissionen. Wenn es der gut gefüllte Tagesablauf zulässt, wird sie von ihren Erlebnissen in der Marsstation unter www.scilogs.de/leben-auf-dem- mars/ bloggen. Weitere Informationen: http://hi-seas.org/ Christiane Heinicke (links) mit den Crewmitgliedern Cyprien Verseux (Frankreich) und Carmel Johnston (USA) beim Trek-kingtraining in den Rocky Mountains. Foto: Sian Proctor Die Ilmenauer Absolventin Dr. Christiane Heinicke nimmt an einer einjährigen Studie teil, bei der die Lebensbedingungen in einer Marsstation simuliert werden. Seit dem 28. August leben sie und fünf andere Wissenschaftler in einem abgeschiedenen Habitat auf halber Höhe des Vulkans Mauna Loa auf Hawaii. Dieses Habitat auf halber Höhe des Vulkans Mauna Loa ist für 365 Tage das Zuhause der HI-SEAS-Crew. Es gleicht einer wis-senschaftlichen Station, wie sie auf dem Mars stehen könnte.


UNI 2 2015
To see the actual publication please follow the link above