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UNI_01_2015

Bereits in den 1970er Jahren hatte Professor Beat D. Brüderlin Gelegenheit, neben dem Studium bei einem Start-Up zu arbeiten. Vor zehn Jahren konnte er eine Ausgründung aus dem eigenen Fachgebiet aktiv begleiten. „Eine große Chance sehe ich heute für Doktoranden. Sie haben das Potenzial, interessante Themen aus der Forschung in die Praxis zu transferieren. Fayteq ist da ein gutes Beispiel aus Ilmenau“. Großes Potenzial birgt aus seiner Sicht eine Vernetzung von Forschung und Industrie: „Industrieforschung und Hochschulforschung sind immer noch parallele Welten. Obwohl es heute eine größere Schnittmenge zwischen beiden Bereichen gibt als noch vor zehn oder zwanzig Jahren.“ Um das vorhandene Potenzial besser auszuschöpfen, brauchen wir die Arbeit von Gründerinitiativen: „auftakt. finde ich gut! Weiter so.“ Damit der Gründergeist zukünftig auch Studierende und Mitarbeiter erreicht, kann aber noch mehr geschehen: „Wir müssen das Bewusstsein und Interesse der Professoren und Hochschulmitarbeiter stärken und Gründungsaktivitäten unterstützen. Auch in diesem Kontext ist Industrie keine unliebsame Konkurrenz, sondern eine Horizonterweiterung.“ UNI I 01 I 2015 51 | Insbesondere aus Beraterperspektive hat Professor Andreas Schober seit vielen Jahren Gründungen im industriellen und universitären Umfeld begleitet. Die Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften bietet aus seiner Perspektive viele Potenziale für Ausgründungen: „Wir haben neben Mathematik und Physik ein neues Institut für Chemie und Biotechnik. Gerade im Bereich Biotechnologie gibt es gute Chancen für innovative Ausgründungen.“ Als Berater und Begleiter möchte er Interessierte unterstützen: „Als Gründerpate kann ich Ansprechpartner für die ersten Schritte zur Ausgründung sein und möchte in Netzwerke innerhalb und außerhalb der Universität vermitteln.“ Insbesondere an der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften sieht er jedoch auch die Herausforderung der Sensibilisierung in den eigenen Reihen: „Wir müssen in der Fakultät noch ein stärkeres Bewusstsein für das Thema Gründen wecken. Für Studierende und Doktoranden ist dieser Karriereweg auch eine Option. Das müsste von den Professoren unterstützt werden.“ Denn die Chancen sind groß: „Zum Beispiel in der Synthese aus Maschinenbau und Nanotechnologie sowie Anwendungen im Bereich Life-Science, da haben wir große Potenziale.“ Als Mitgesellschafter und aktives Mitglied der Geschäftsleitung eines mittelständischen Unternehmens steht Professor Tobias Reimann mitten im Unternehmerleben. Den Gründungsprozess hat er hautnah miterlebt und weiß: „Gründer und Gründungswillige brauchen Unterstützung.“ Gerade als Gründerpate möchte er hier aktiv sein: „Beratung zum Thema Steuern, Recht, Finanzierung gibt es genügend. Wo wir als Gründerpaten ansetzen können, das sind die Punkte Sensibilisierung, persönliche Erfahrung, Persönlichkeit und Werte.“ Doch hier ist noch eine Menge zu tun: „Der Arbeitsmarkt hat für Ingenieure gute Angebote. Es gibt wenige Studierende, die bewusst sagen, sie wollen nicht in die großen Unternehmen. Da müssen wir sensibilisieren, denn für jene wäre Gründung oder Unternehmensnachfolge eine spannende Option.“ Denn es gibt große Potenziale: „Energie, Mobilität, Gesundheit, Information – es gibt viele Probleme von gesellschaftlicher Relevanz, derer sich Unternehmen im Bereich der Elektrotechnik und Informationstechnik annehmen können.“ Den Schwerpunkt bilden dabei aus seiner Perspektive weniger die rein produzierenden Unternehmen, sondern jene mit Fokus auf innovatives F&E-Know-how. UNIPORTRÄT Fotos: I. Herzog, auftakt., ari, F. Watterott KONTAKT ZU DEN GRÜNDERPATEN Univ.-Prof. Dr.-Ing. Tobias Reimann tobias.reimann@tu-ilmenau.de Univ.-Prof. Dr. sc. techn. Beat D. Brüderlin beat.bruederlin@tu-ilmenau.de Univ.-Prof. Dr. Ing. Michael Koch michael.koch@tu-ilmenau.de Univ.-Prof. Dr. rer. nat. habil. Andreas Schober andreas.schober@tu-ilmenau.de Univ.-Prof. Dr. rer. pol. habil. Andreas Will andreas.will@tu-ilmenau.de auftakt. Das Gründerforum Ilmenau info@auftakt.org „Die Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften ist sehr heterogen aufgestellt. Gerade deshalb gibt es viele Potenziale für Ausgründungen.“ Professor Andreas Schober, Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften, Fachgebiet Nanobiosystemtechnik „Gerade für Ingenieurstudierende muss der Gedanke der Selbstständigkeit einfach eine gleichberechtigte Option sein.“ Professor Tobias Reimann, Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, Fachgebiet Industrieelektronik „Wir brauchen – analog zu den Strukturen der Forschergruppen – auch Strukturen, die auf spätere Ausgründungen zielen.“ Professor Beat D. Brüderlin, Fakultät für Informatik und Automatisierung, Fachgebiet Graphische Datenverarbeitung


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