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UNI_01_2015

UNIREPORTAGE Ein erster Erfahrungsbericht aus dem GRIAT Als Ilmenauer Dozent in Kasan von Marko Hennhöfer Очень xорошо ótschen charaschó – sehr gut. Von diesen Vokabeln konnte ich während meines zweiwöchigen Aufenthalts Ende Oktober in Kasan des Öfteren Gebrauch machen. Nach einer etwas erschwerten Anreise am 18. Oktober 2014 durch Bahnstreiks und einen verpassten Anschlussflug in Moskau wurde ich trotz der fortgeschrittenen Ankunftszeit (ca. 2 Uhr) vom Direktor des Instituts für Nachrichten und Telekommunikationstechnik, Professor Adel Nadeev, und einem weiteren Kollegen, Artur Gaysin, am Flughafen in Kasan herzlich in Empfang genommen. Nach kurzer Akklimatisierung – Frankfurt, 23 °C, Kasan -7 °C – kamen wir nach etwa halbstündiger Fahrt über eine prächtig beleuchtete vierspurige Straße an unserem Apartment an. Einige Sehenswürdigkeiten waren ebenfalls beleuchtet, so dass wir bereits aus der Ferne die Milleniumbrücke und den Kreml erkennen konnten. Enorme Gastfreundlichkeit Die enorme Gastfreundlichkeit war mir bereits von den Eröffnungsfeierlichkeiten im September bekannt und dennoch schafften es die Kollegen erneut, mich zu überraschen. Ich bekam gleich ein Paket mit Kaffeepulver, Saft, Wasser und mit hackfleischgefüllten tatarischen Teigtaschen, damit die Versorgung für den ersten Tag gesichert war. Am Sonntagnachmittag wurde ich gleich zum Essen eingeladen, wobei wir auch Dr. Alexej Alexandrowitsch, einen Kollegen aus dem Fachgebiet der digitalen Signalverarbeitung, trafen und uns in lockerer Atmosphäre über fachliche, soziale und persönliche Themen austauschten. | 42 UNI I 01 I 2015 Die zweistaatliche Lehr- und Forschungseinrichtung German-Russian Institute of Advanced Technologies (GRIAT) ist an der renommierten Kasaner Nationalen Technischen Forschungsuniversität „Tupolev“ angesiedelt. Gefördert von der Republik Tatarstan und vom DAAD, etablieren die Partner am GRIAT Ingenieurstudiengänge nach deutschen Standards. Die TU Ilmenau als Konsortialführer und die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben im Herbst 2014 für die ersten vier ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge die Lehre aufgenommen. Für die Zukunft ist eine Erweiterung der Studiengänge auf 14 geplant. 30 Lehrveranstaltungen vor Ort Am folgenden Montag starteten dann die Lehrveranstaltungen. Das Apartment war etwa drei Kilometer vom GRIAT-Gebäude entfernt und so hatte ich jeden Morgen einen schönen Spaziergang durch die Kasaner Winterlandschaft. In der ersten Woche glichen die Fußwege und Straßen bei Temperaturen um -10 °C eher Eislaufbahnen. Offenbar waren hier die Streudienste vom ungewöhnlich frühen Wintereinbruch etwas überrascht. Am GRIAT-Gebäude angekommen, wurde ich sofort von der Projektkoordinatorin Liya Makarova und dem Leiter des dortigen Auslandsamtes Dr. Alexander Snegurenko begrüßt. Pünktlich um 10 Uhr startete die erste von insgesamt 30 Lehrveranstaltungen – Information Theory and Coding – , die innerhalb der zwei Wochen vorgesehen waren. Die Ausstattung des Hörsaals war etwas einfacher als jene in Ilmenau, aber man konnte dennoch gut mit Präsentationen und parallelem Tafelanschrieb arbeiten. Hoch motivierte Studierende Die Auswahl der 10 Studierenden war offenbar sehr gut, was ich an den Nachfragen und an den Diskussionen im Anschluss an die Lehrveranstaltungen erkennen konnte. Ein Student zeigte mir zum Beispiel, wie er mit seinem Notebook ein Digitalrundfunksignal demodulieren konnte und wie er sich mit einem kleinen Bausatz der Programmierung von Mikrocontrollern widmete, ähnlich wie ich das von sehr guten deutschen Studierenden schon gesehen hatte. Nach der ersten Woche stellte ich dann auch eine Hausaufgabe, mit der bereits Bonuspunkte für die Abschlussklausur erworben werden konnten, die fast von allen korrekt gelöst wurde. Die Aufgabe konnte entweder mit einem Mathematikprogramm oder mit Papier und Bleistift gelöst werden, wobei etwa die Hälfte der Studierenden den zweiten Weg wählte. Nicht alle verfügten über entsprechende Programmierkenntnisse, wobei ich durch ein Beispiel am letzten


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