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UNI_01_2015

UNIFORSCHUNG Der in der Fachzeitschrift „Nanotechnology“ erschienene Beitrag des Ilmenauer Wissenschaftlers Dr. Silvio Dutz „Magnetic particle hyperthermia: a promising tumour therapy?“ ist vom renommierten Herausgeber wissenschaftlicher Publikationen IOP als einer der meistgelesenen Artikel des letzten Jahres bewertet worden. | 32 UNI I 01 I 2015 Foto: ari Freier Zugang zu Fachpublikationen Aus der Wissenschaft ist das Internet längst nicht mehr wegzudenken. Wo früher Fachaufsätze oder die neuesten Forschungsergebnisse aus gedruckten Zeitschriften in Universitätsbibliotheken kopiert oder aus anderen Bibliotheken bestellt wurden, erfolgt der Zugriff heute meist per Mausklick. Dabei sind es die Universitätsbibliotheken, die für die oft sehr kostspieligen Zugangslizenzen aufkommen müssen. Damit der Zugang zu den Erkenntnissen der Wissenschaft nicht immer stärker von der Finanzkraft einzelner Universitäten und Forschungseinrichtungen abhängt, bemühen sich Wissenschaftler, Institutionen der Forschungsförderung und Bibliothekare auf internationaler Ebene seit Jahren um den Ausbau alternativer Publikationswege, den Open Access. Über neue Internetplattformen ermöglichen Verlage den freien Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen ohne finanzielle, technische oder rechtliche Hürden. Doch auch bei den Open- Access-Verlagen fallen Kosten an, die an die Nutzer weitergegeben werden. Um die Aufwendungen zu decken, die für die Technik der digitalen Fachzeitschriften und die Begutachtung der eingereichten Fachartikel zur Qualitätssicherung nötig sind, verlangen sie von den wissenschaftlichen Autoren häufig Bearbeitungsgebühren. Diese Gebühren werden Wissenschaftlern der TU Ilmenau aus dem neu geschaffenen Publikationsfonds der Universität erstattet – für sie ein deutlicher Anreiz, den alternativen Veröffentlichungsweg zu nutzen. Der Großteil der finanziellen Mittel des Fonds, der durch die Universitätsbibliothek verwaltet wird, stammt aus Fördergeldern der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die TU Ilmenau ist die erste Universität in Thüringen, die einen solchen Publikationsfonds eingerichtet hat. Foto: ari Foto: Andreas Weidner Viel beachteter Beitrag zu Krebstherapie Die Veröffentlichung, die bereits in den ersten sechs Wochen seit ihrem Erscheinen im Oktober 2014 rund 1500 mal abgerufen wurde, reflektiert in bislang einmaligem Umfang den aktuellen Forschungsstand auf dem Gebiet der magnetischen Hyperthermie. Bei dieser noch sehr jungen Methode der minimalinvasiven Krebsbehandlung werden Tumorzellen durch Wärme selektiv geschädigt. Dazu werden magnetische Nanopartikel in den Tumor eingebracht und in einem magnetischen Wechselfeld über Ummagnetisierungsverluste erwärmt. Mit der Behandlung sollen Tumore möglichst direkt zerstört oder zumindest empfindlicher gegenüber einer begleitenden Chemotherapie gemacht werden. Die Medizin erhofft sich von den völlig neuen Möglichkeiten, die die Nanotechnologie eröffnet, wesentlich bessere Therapiemethoden und somit Heilungschancen für Krebspatienten als bisher. Trotz erster Erfolge in klinischen Studien weist das Verfahren aber hinsichtlich seiner Wirksamkeit und Handhabung noch Schwachstellen auf. In seinem Beitrag geht Dr. Silvio Dutz (Foto), Leiter der Arbeitsgruppe „Magnetische Nanopartikel“ am Institut für Biomedizinische Technik und Informatik, der Frage nach, wie die magnetische Hyperthermie zum medizinischen Standardverfahren weiter qualifiziert werden kann. Der Artikel befasst sich dazu nicht nur mit der Wärmeentstehung in magnetischen Nanopartikeln, sondern auch damit, wie sich die magnetischen Eigenschaften unterschiedlicher Nanopartikel auf die Wirksamkeit der Methode auswirken. Die vorgestellten Ergebnisse ermöglichen die Herstellung optimierter Nanopartikel für eine effektivere Tumorbehandlung. Neben den Grundlagen zum Verständnis und den Richtlinien zur Optimierung der Methode zeigt der Autor die Aufgaben auf, die es noch im Bereich der Anwendung zu lösen gilt. Damit leistet der Artikel einen wichtigen Beitrag, um die magnetische Hyperthermie in naher Zukunft für die Heilung schwer erkrankter Menschen sicher und erfolgreich einsetzen zu können. Um neueste wissenschaftliche Publikationen auch über das Internet kostenlos zugänglich zu machen, stellt die TU Ilmenau ihren Wissenschaftlern ab 2015 finanzielle Mittel zur Verfügung.


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