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UNI_01_2015

UNIFORSCHUNG Forschung zur Mobilität der Zukunft Abschirmhalle für virtuelle Straße Das Thüringer Innovationszentrum Mobilität der TU Ilmenau (ThIMo) hat in seinem neu errichteten Hauptgebäude in der Ehrenbergstraße 15 eine deutschlandweit einzigartige Abschirmhalle als erste Ausbaustufe für die Mess- und Prüfeinrichtung „Virtuelle Straße“ (VISTA) eröffnet. Die Virtuelle Straße ermöglicht den Forschern der TU Ilmenau einen kontrollierten Zugang zu allen funktechnischen Aspekten von Autos, die sich künftig immer mehr zu „rollenden Smartphones“ entwickeln werden. Diese Entwicklung eröffnet ein enormes ökonomisches Potenzial für Unternehmen in Automobil-, Zuliefer- sowie Informations- und Kommunikationstechnik Branchen. Zunächst besteht aber großer Forschungs- und Entwicklungsbedarf: „Das Auto der Zukunft wird energieeffiziente und umweltfreundliche Fahrzeugtechnologien bis hin zur Elektromobilität mit intelligenten Informations- und Kommunikationssystemen vereinen“, so der Sprecher des ThIMo, Professor Matthias Hein. „Derartige Systeme sollen das Autofahren komfortabler, aber durch die Vernetzung und zuverlässige Interaktion mit der Fahrzeugumgebung vor allem sicherer machen.“ Die in nur sechs Monaten installierte Abschirmhalle ermöglicht mit 16 Metern | 30 UNI I 01 I 2015 Länge, 12 Metern Breite und neun Metern Höhe Messungen in dem für die Anwendungen besonders interessanten Frequenzbereich von 70 bis 6000 Megahertz. Um unerwünschte Einstrahlungen von außen sowie Reflexionen von Decke und Wänden zu unterdrücken (Echofreiheit), ist die Halle wie ein Faraday’scher Käfig konstruiert und mit pyramidenförmigen Absorbern ausgekleidet. In der Halle befindet sich ein EMV-tauglicher Rollenprüfstand, der dazu dient, ein Fahrzeug in Bewegung zu setzen ohne es zu fahren. Auf diese Weise erhalten die Forscher Zugriff auf alle wesentlichen Faktoren, die bei der Wechselwirkung zwischen der Fahrzeugfunktion und dessen Funkumgebung eine Rolle spielen. In der zweiten Ausbaustufe wird die VISTAAnlage um eine Nahfeldmesseinrichtung ergänzt, die es ermöglicht, sämtliche in einem Fahrzeug verbauten Antennen genauestens zu charakterisieren. In der dritten und letzten Ausbaustufe schließlich werden in der Kammer Beleuchtungsan- Für die Versuchsanlage „Virtuelle Straße“ wurde eine deutschlandweit einzigartige Abschirmhalle zur virtuellen Nachblldung einer elektromagnetischen Umgebung eröffnet. Zwei weitere Ausbaustufen folgen ab 2015. Neuer ThIMo-Sprecher Professor Matthias Hein (Foto) ist neuer Sprecher des Thüringer Innovationszentrums Mobilität (ThIMo) der TU Ilmenau. Der Leiter des Fachgebietes Hochfrequenz und Mikrowellentechnik trat in diesem Amt die Nachfolge von Professor Klaus Augsburg an, der dem ThIMo in dessen Aufbauphase seit 2011 als Sprecher vorstand. Fotos: ari tennen installiert, die realistische Funkkommunikationsverhältnisse von der Straße ins Labor holen. Die Konzeption der Messhalle erfolgte im Rahmen der Forschergruppe PORT – Powertrain/Radio train, die als eine von insgesamt fünf ThIMo-Forschergruppen vom Freistaat Thüringen mit Unterstützung durch den Europäischen Sozialfond für eine Laufzeit von drei Jahren gefördert wurde. Einen Schwerpunkt des mit einer Million Euro geförderten 14-köpfigen Forscherteams bildete die interdisziplinäre Bearbeitung fahrzeug- und informationstechnischer Fragestellungen. Zu den erzielten Ergebnissen gehören sich selbst mit Energie versorgende Sensoren zur Erfassung von Fahr- und Fahrzeugzuständen, neue Ansätze für die elektronische Vernetzung innerhalb des Fahrzeugs und mit der Umgebung sowie fortgeschrittene Systeme des Antriebsstrangs und des Fahrwerks zur Erhöhung von Fahrsicherheit und -komfort. „Das Auto der Zukunft wird energieeffiziente und umweltfreundliche Fahrzeugtechnologien bis hin zur Elektromobilität mit intelligenten Informations- und Kommunikationssystemen vereinen.“


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