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UNI 02 2014

UNIPOLITIK Die Wahl des Präsidenten der TU Ilmenau erfolgte erstmals nach dem seit 2008 geltenden Thüringer Hochschulgesetz durch den Hochschulrat im Einvernehmen mit dem Senat. Nach europaweiter Ausschreibung hatte sich Professor Scharff gegen zwei externe Mitbewerber durchgesetzt. Er wird wie bisher den Titel Rektor führen. Dies ist nach dem Thüringer Hochschulgesetz möglich, wenn der Präsident Professor der eigenen Hochschule ist. Gleiches gilt für die Bezeichnung der Vizepräsidenten als Prorektoren. Sie werden vom Rektor ausgewählt und müssen vom Senat bestätigt werden. Der Rektor der TU Ilmenau Univ.-Prof. Dr. rer. nat. habil. Dr. h. c. mult. Peter Scharff „Die TU besitzt meiner Ansicht nach beste Potenziale, auch in Zukunft eine forschungsstarke Universität zu sein, die sich gleichermaßen herausragender, engagierter Lehre verpflichtet sieht.“ Prof. Peter Scharff | Rektor der TU Ilmenau Foto: ari UNI I 02 I 2014 7 | grammen des Bundes und des Landes, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Europäischen Union, aus Stiftungen und der Industrie einzuwerben. Die Drittmitteleinnahmen haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Bei der Drittmittelquote pro Professur liegt die TU Ilmenau im Thüringer Vergleich mit großem Vorsprung vorn und auch bundesweit im Spitzenfeld. Ausdruck der positiven Entwicklung sind zudem mehrere Graduiertenschulen zur strukturierten Doktorandenausbildung und die Förderung von Großvorhaben wie das Thüringer Innovationszentrum Mobilität, das Thüringer Zentrum für Maschinenbau und von zahlreichen Forschergruppen. Das IMN MacroNano® und das ThIMo haben sich zu international anerkannten Forschungsmarken entwickelt. Mit ihrem Leitbild, das im Jahr 2010 nach grundlegender Überarbeitung neu beschlossen wurde, bekennt sich die TU Ilmenau neben ihrer Verantwortung im Sinne der Campus Familie dazu, ausschließlich für zivile Zwecke zu forschen und Beiträge zur Lösung globaler Problemstellungen zu leisten. In diesem Zusammenhang sieht die Unileitung den Schwerpunkt der künftigen Forschungsarbeit auf Themen wie umweltgerechte Bereitstellung elektrischer Energie, die ausreichende Versorgung der Menschheit mit Nahrungsmitteln und Wasser, der Umgang mit einer alternden Gesellschaft und die zunehmende Urbanisierung. „Dazu wird sich die TU Ilmenau auf ihren Kompetenzfeldern auch in Zukunft aktiv einbringen,“ betonte der Rektor. Die noch stärkere Fokussierung auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bedeute zugleich, die bestehenden Forschungscluster immer wieder auf ihre Tragfähigkeit und Ausrichtung hin zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu positionieren. Internationale Großprojekte Die Attraktivität der TU Ilmenau zeigt sich auch in einer seit Jahren hohen Zahl von rund 7000 Studierenden. Besonders stark wuchs der Anteil ausländischer Studierender und Wissenschaftler. Dies ist Ergebnis einer kontinuierlichen, fruchtbaren Zusammenarbeit mit Universitäten der ganzen Welt. Zahlreiche Doppelabschlussprogramme wurden etabliert und mit Leben erfüllt. Kooperationsprojekte in ganz neuer Qualität realisierte die Universität mit der Bildung gemeinsamer Ingenieurfakultäten am Moskauer Energetischen Institut und an der Staatlichen Elektrotechnischen Universität Sankt Petersburg. Mit der Nationalen Technischen Forschungsuniversität Kasan strebt die TU Ilmenau gemeinsam mit deutschen Partnerhochschulen die Gründung einer deutsch-russischen Universität in Tatarstan an. Ein weiteres Großprojekt wurde mit Indonesien auf den Weg gebracht. Hier leitet die Universität ein Vorhaben zum Export von Studiengängen deutscher Hochschulen in das viertgrößte Land der Erde. „Diese erfolgreichen Projekte zeigen, dass aus derartigen Kooperationen gemeinsam verantwortete Fakultäten, Institute oder sogar Dependancen der TU Ilmenau resultieren können,“ so der Rektor. „Diesen Weg wollen wir weiter beschreiten, um weltweite Netzwerke zu bilden, die zugleich Brückenköpfe zur heimischen Industrie darstellen.“ Synergien durch Kooperationen Synergien schaffen ist für die Unileitung auch ein Lösungsansatz vor dem Hintergrund einer bestenfalls inflationsbereinigt konstanten Grundfinanzierung der Thüringer Hochschullandschaft. So kann sich der Rektor vorstellen, die Ingenieurausbildung im Freistaat Thüringen an der TU Ilmenau, die sie sowohl ein forschungsorientiertes als auch ein praxisorientiertes Profil aufweist, zu konzentrieren „Durch die federführende Rolle der TU Ilmenau könnte eine bessere Verzahnung aller Bildungsangebote im Ingenieurbereich erzielt werden,“ ist er überzeugt. Auch die zur Verfügung stehende experimentelle Ausstattung könnte effizienter genutzt und die Forschungskapazität erweitert werden. Das bestehende Universitätsdreieck Ilmenau – Magdeburg – Chemnitz und die fruchtbare Mitgliedschaft der TU Ilmenau im Netzwerk „Mittelgroße Universitäten“ seien Beispiele dafür, dass durch verstärkte Kooperationen Synergien entstehen und genutzt werden können. Die Zusammenarbeit mit insbesondere technischen Universitäten will die TU Ilmenau daher noch weiter ausbauen. Insgesamt sieht der Rektor die Universität gut aufgestellt, um die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu meistern, aber auch die Notwendigkeit, weiterhin auf Fortschritt und keinesfalls Stillstand zu setzen: „Die TU besitzt meiner Ansicht nach beste Potenziale, auch in Zukunft eine forschungsstarke Universität zu sein, die sich gleichermaßen herausragender, engagierter Lehre verpflichtet sieht. Dazu ist es notwendig, weiter auf Entwicklung und Ausbau zu setzen, nicht zuletzt um die einzig wirkliche Ressource des Freistaats Thüringen – unsere Innovationsfähigkeit – auszubauen.“


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