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UNIREPORTAGE Doktorand Matthias Hillenbrand bei der Inspektion des ersten Fertigungsmusters einer mikrostrukturierten Sehhilfe. Das System besteht aus vielen kleinen Linsen, die den Sichtbereich vergößern. Gleichzeitig wird die zentrale Bildin-formation auf einen noch intakten Wahrnehmungsbereich der Netzhaut umgelenkt. Foto: ari VON DER IDEE ZUM PATENT Seh-Hilfe bei Makuladegeneration Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine Augenerkrankung, die immer häufiger auftritt. Fast fünf Millionen Menschen in Deutschland sind davon betroffen. Wissenschaftler der TU Ilmenau haben es über die letzten zwei Jahre geschafft, der AMD erfolgreich den Kampf anzusagen. jetzt ist ihre Idee auf dem Weg zum Patent. Das Krankheitsbild der AMD ist gekenn-zeichnet durch einen kompletten Sehver-lust in der zentralen Netzhautregion, der Makula. Dabei degeneriert die Makula, wodurch die Patienten sich nur schlecht orientieren und im schlimmsten Fall nicht mehr alleine leben können. Bisherige The-rapien wie Spritzen in den Augapfel oder Medikamente können die schleichende Erblindung bestenfalls verlangsamen, jedoch nicht komplett heilen. Innovativer Ansatz aus Ilmenau Wissenschaftler des Fachgebietes Tech-nische Optik unter Leitung von Professor Stefan Sinzinger und des Fachgebietes Biomedizinische Technik unter Leitung von Professor Jens Haueisen haben jetzt einen völlig neuen Ansatz für die Behandlung von AMD gefunden. Im Rahmen der Arbeiten der vom Thüringer Wirtschaftsministerium und der Thüringer Aufbaubank geförderten industrienahen | 42 UNI I 01 I 2014 Forschergruppe ONERA (Erforschung der opto-neurologischen Rehabilitation von AMD Patienten) entwickelte ein interdis-ziplinär zusammengesetztes Forscherteam eine speziell an AMD-Patienten gerichtete mikrostrukturierte Sehhilfe. Die Idee ist dabei denkbar einfach: Man nehme die verloren gegangene zentrale Bildinforma-tion und rekonstruiere sie an einem ande-ren, noch sehfähigen Teil der Netzhaut. Die Umsetzung der Vision ist jedoch um einiges schwieriger, denn mit zunehmen-der Dauer des Projekts wurde klar, dass man sich auf Neuland in der Forschung begab. Dies betrifft sowohl die optischen Prinzipien der Informationsumlenkung mit Hilfe einer Brille als auch die neurolo-gische Akzeptanz des Seheindruckes bei den Patienten. Mitarbeiter des Fachgebiets Technische Optik entwickelten eine hoch integrierte Struktur, die aus vielen kleinen Linsensys-temen aufgebaut ist. Jedes dieser Linsen-systeme hat die Funktion eines Teleskops, wodurch der zentrale Sichtbereich vergrö-ßert wird. Gleichzeitig wird die zentrale Bildinformation auf einen noch intakten Wahrnehmungsbereich der Netzhaut um-gelenkt. Probanden- und Patientenstudien in enger Zusammenarbeit mit den Mitar-beitern des Fachgebiets Biomedizinische Technik erlauben es, für AMD-Patienten optimale Informationsumlenkungsvari-anten zu ermitteln. Aus Kosten- und Herstellungsgründen ist die Umsetzung dieses optischen Systems in miniaturisierter Form, zum Beispiel als dünne Folie, besonders attraktiv. Hierdurch ist es möglich, die komplexe optische Funktionalität in einer vom Pa-tienten angenehm zu tragenden Sehhilfe zu implementieren. Von der Idee zum Patent Entstanden ist die Idee für die mikro-strukturierte Folie am Fachgebiet Techni-sche Optik während der Arbeiten in der


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