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Im Interview UNI I 03 I 2013 21 | Thermo- und Fluiddynamikforschung für unsere Zukunft Wo geht die Entwicklung in Zukunft hin? „Die Turbulenzforschung wird durch eine immer stärkere Durchdringung von High-Performance Computing gekennzeichnet sein“, sagt Professor Schumacher. Hier gelte es, an der TU Ilmenau Kompetenz zu verstärken. Im Bereich der Magnetofluiddynamik besteht ein wichtiges Ziel darin, die Ergebnisse der Grundlagenforschung in weitere industrietaugliche Produkte umzuwandeln und in Form von Existenzgründungen zu verwerten. In diesem Zusammenhang kommt auch der dritte Schwerpunkt des Instituts - Energietechnik - wieder verstärkt ins Spiel. „Auf diesem Gebiet“, ist Professor Thess überzeugt, „sind besonders spannende Fragen zu erwarten.“ Mit wachsendem Anteil regenerativer Energiequellen werde in Zukunft zunehmend Solar- und Windstrom zum Heizen von Wohnungen verwendet werden. „Hierzu ist es notwendig, die Forschung auf dem Gebiet der Wärmespeicher zu intensivieren und neuartige Speicherkonzepte zu entwickeln.“ Am ITFD wird seit über 15 Jahren intensiv auf dem Gebiet Solarthermie und Wärmespeicherung geforscht. Die Arbeitsgruppe „Regenerative Energietechnik“ unter Leitung von Dipl.-Ing. Jürgen Bühl warb seit 2001 im Rahmen von Auftragsprojekten zur Ausstattung von Gebäuden mit innovativen Solar- und Speicheranlagen mehr als drei Millionen Euro Drittmittel ein. Aktuell laufen unter anderem Vorarbeiten für ein neues Konzept zur Energiespeicherung, die Strom-Wärme-Strom-Energiespeicher. Der Vorteil dieser neuen Technologie ist, dass solche Speicher im Gegensatz zu Pumpspeicherwerken an jedem beliebigen Ort der Welt aufgebaut werden können. Ein erster Demonstrator der Erfindung wird derzeit an der Fakultät für Maschinenbau, in der das Institut beheimatet ist, realisiert. Und: Auch hier hat das Institut schon wieder für Furore gesorgt: Soeben ist es Professor André Thess gelungen, eine einfache Formel zu finden, mit der der Wirkungsgrad der neuen Strom-Wärme-Strom-Energiespeichertechnologie für beliebige Speichermedien zuverlässig vorhergesagt werden kann. Dank dieser Formel wird es erstmals möglich, innovative SWS-Speichermodelle in industrietauliche Anwendungen zu überführen. Und was wird die Zukunft des Instituts noch besonders bestimmen? Professor Thess: „Die intensive Zusammenarbeit zwischen unseren Fachgebieten und Forschergruppen, zwischen unseren exzellenten Wissenschaftlern und Doktoranden, zwischen unserem Institut und den Partnern in europäischen und weltweiten Netzwerken, in nationalen Forschungsverbünden und der Industrie. Nur so können wir den noch ungelösten Strömungsrätseln auf die Spur kommen und wichtige Beiträge für die Entwicklung von Produkten, die unseren Alltag erleichtern, für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft und die Klimaforschung leisten - und gleichzeitig unsere Neugier als Forscher befriedigen.“ Prof. André Thes Direktor des Institutes für Thermo- und Fluiddynamik der TU Ilmenau Thermo- und Fluiddyamik sind Grundbausteine der Energietechnik – was halten Sie eigentlich von der Energiewende? Den Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie halte ich für falsch, weil er ohne Abstimmung mit unseren europäischen Partnern erfolgte. Gleichzeitig befürworte ich mehr Forschung zu regenerativen Energien und widme mich auch selbst diesem faszinierenden Thema. Welche ‚grüne‘ Technologie sich durchsetzt, sollten allerdings nicht Regierungsbeamte durch Subventionen entscheiden, sondern der Markt. Im DFG-Graduiertenkolleg „Lorentzkraft“, dessen Sprecher Sie sind, sollen Doktoranden innerhalb von drei Jahren promovieren. Ist das nicht viel zu kurz? Deutschland hat weltweit die ältesten Doktoranden. Das finde ich nicht gut. In unserem Graduiertenkolleg hat die Mehrheit der Doktoranden in drei Jahren promoviert. Ich bin allerdings nicht für eine generelle Dreijahresregel, sondern für einen Korridor von drei bis vier Jahren. Auch plädiere ich dafür, die Vielfalt von Promotionswegen von der klassischen Promotion am Lehrstuhl über die externe Promotion bis hin zur strukturierten Promotion in einem Graduiertenkolleg beizubehalten. Was wünschen Sie sich für die Zukunft? Mehr Qualität statt Quantität in der Forschung, eine sachliche Diskussion über Studiengebühren und eine Frauenquote bei Professorenstellen. … und außerhalb der Wissenschaft? Öfter Linseneintopf in der Mensa, die Abschaffung der E-Mailfunktion „Antwort an alle“ und dass das Ilmenauer Wetter sich zuweilen an das Motto „Ilmenau himmelblau“ erinnert ... „Hierzu ist es notwendig, die Forschung auf dem Gebiet der Wärmespeicher zu intensivieren und neuartige Speicherkonzepte zu entwickeln.“ Prof. André Thes | TU ILMENAU UNITITEL


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