Page 88

BDR_2016_17_web

90 Forschung für die Wirtschaft | Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung AN-INSTITUTE Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung Werkstoffe haben die Entwicklung der Menschheit seit jeher bestimmt, die Epochen der Vor- und Frühgeschichte wurden gar nach den jeweils charakteristischen Werkstoffen benannt: Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit. Die do-minierende Werkstoffklasse unserer Zeit sind Kunststoffe. Das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff- Forschung TITK ist darauf spezialisiert, Kunststoffe so zu verändern, dass Werkstoffe mit völlig neuen, funktio-nellen wendenden Industrie. Seitdem es 2004 An-Institut der TU Ilmenau wurde, führte die enge Zusammenarbeit bereits zu acht gemeinsa-men interdisziplinären Forschungsprojekten mit Förder- und Dritt-mitteln von über 4,1 Millionen Euro. Für Leichtbauanwendungen optimiert das Institut Faserverbundwerkstoffe und erforscht neue Materialien, etwa für innovative polymerbasierte Schaumhalbzeuge. Es entwickelt elektrisch initiierte, farbwechselnde, elektrochrome Module oder „intelligente“ Bauteile basierend auf Multimaterial- bzw. Hybridwerkstoffsystemen mit verschiedensten Funktionen. Diese „smarten“ Materialien reagieren aktiv auf Stimuli – auf Elek-trizität, Licht, Druck, Wärme oder Magnetfelder. Das TITK forscht auch an Polymer-Aktuatoren, die nach elektrischer oder magneti-scher Anregung ihre Form verändern und dadurch Bewegungen ausführen können. Der Medizintechnik dienen sie in Zukunft als künstliche Muskeln oder sie lassen sich in technische Bewegungs-systeme integrieren, etwa um Industrierobotern das Laufen oder die Handhabung von Lasten zu ermöglichen. Kunststoffbasierte Sensoren werden künftig in der Kraftfahrzeugtechnik oder in Fah-rerassistenzsystemen eingesetzt. Das TITK gehört zu den Initiatoren der deutschen Industriefor-schungsgemeinschaft Konrad Zuse e. V., die sich als dritte Säule im deutschen Wissenschaftssystem versteht und Gesprächspartner für Politik und Wirtschaft ist. Die 80 Mitglieder, unabhängige For-schungseinrichtungen aus den verschiedensten Bereichen und dem gesamten Bundesgebiet, erarbeiten Maßnahmen zur besseren Nut-zung des Industrieforschungspotenzials in Deutschland, fördern den Ergebnistransfer in die Wirtschaft und beschleunigen die Markt-einführung neuer Produkte, Technologien und Dienstleistungen. Eigenschaften entstehen – Kunststoffe einer neuen Generation. Das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung ver-ändert die Eigenschaften von Polymerwerkstoffen und stellt daraus beispielsweise elektrisch leitende oder halbleitende Werkstoffe her oder solche mit optischen, magnetischen oder antimikrobiellen Ei-genschaften. Dabei verwenden die Wissenschaftler Polymere, die von der chemischen Industrie produziert werden oder aber aus der Natur stammen, etwa Cellulose oder Stärke. Die Vielseitigkeit von Kunststoffen wird von keiner anderen Materialklasse übertroffen und macht sie, da sie sich zudem energiesparend herstellen und verarbeiten lassen, für eine Vielzahl zukunftsträchtiger und hoch-innovativer Wirtschaftsbereiche interessant. Moderne Polymer-werkstoffe sind beispielsweise unerlässlich für die Herstellung von Verpackungsmitteln und Lifestyle-Produkten, für die Fahrzeug- und Verkehrstechnik, die Mechatronik, die Informations- und Kommu-nikationstechnik, die Optik und Photonik, die Energietechnik, die Bio- und Medizintechnik und für die Mikro- und Nanotechnik. Das TITK, 1991 gegründet, betreibt Vorlaufforschung und indus-trienahe angewandte Forschung vorrangig für kleine und mittel-ständische Unternehmen der kunststoffverarbeitenden und -an- „Wir entwickeln ,smarte‘ Materialien, die auf Elektrizität, Magnetfelder, Druck oder Licht reagieren, die hautpflegend sind oder Wärme speichern.“


BDR_2016_17_web
To see the actual publication please follow the link above