Page 94

Bericht des Rektor 2013

96 Forschung für die Wirtschaft | Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung AN-INSTITUTE Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung Werkstoffe haben die Entwicklung der Menschheit seit jeher bestimmt, die Epochen der Vor- und Früh-geschichte wurden gar nach den jeweils charakteristischen Werkstoffen benannt: Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit. Die dominierende Werkstoffklasse unserer Zeit sind Kunststoffe. Das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung ist darauf spezialisiert, Kunststoffe so zu verändern, dass Werk-stoffe mit völlig neuen, funktionellen Eigenschaften entstehen – Kunststoffe der neuen Generation. Als vielseitige und umweltgerechte Werkstoffe, die sich energie-sparend herstellen und verarbeiten lassen, haben Kunststoffe die letzten Jahrzehnte geprägt und werden dies auch in Zukunft tun. Das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung TITK verändert die Eigenschaften von Polymerwerkstoffen und stellt da-raus beispielsweise elektrisch leitende oder halbleitende Werkstoffe her oder solche mit optischen, magnetischen oder antimikrobiellen Eigenschaften. Dabei verwenden die Wissenschaftler Polymere, die von der chemischen Industrie produziert werden oder aber aus der Natur stammen, etwa Cellulose oder Proteine. Die Vielseitigkeit der Polymerwerkstoffe wird von keiner anderen Materialklasse über-troffen und macht sie für eine Vielzahl besonders zukunftsträchti-ger und hochinnovativer Technologiefelder interessant. Moderne Werkstoffe sind beispielsweise unerlässlich für die Herstellung von Verpackungsmitteln und Lifestyle-Produkten, für die Fahrzeug- und Verkehrstechnik, die Mechatronik, die Informations- und Kommu-nikationstechnik, die Optik und Photonik, die Energietechnik, die Bio- und Medizintechnik und für die Mikro- und Nanotechnik. „Unsere Kunststoffe können Elektrizität leiten oder Wärme speichern, sie sind antimikrobiell oder hautpflegend.“ Das 1991 gegründete TITK betreibt Vorlaufforschung und industrie-nahe angewandte Forschung vorrangig für kleine und mittelständi-sche Unternehmen der kunststoffverarbeitenden und -anwenden-den Industrie. Seitdem es 2004 An-Institut der TU Ilmenau wurde, führte die enge Zusammenarbeit bereits zu acht gemeinsamen in-terdisziplinären Forschungsprojekten mit Förder- bzw. Drittmitteln von über 4,1 Millionen Euro. Das Institut entwickelt neue Materiali-en, etwa für innovative polymerbasierte Solarzellen oder elektrisch stimulierte farbwechselnde elektrochrome Module, die flexibel sind und daher auf gekrümmten Oberflächen angebracht werden kön- nen. Da sie großflächig und in kurzer Zeit herstellbar sind, lassen sie sich kostengünstig produzieren. Ebenso forscht das TITK an so genannten Polymer-Aktuatoren. Die Systeme können, da elektrisch stimulierbar, ihr Volumen und ihre Form verändern und dadurch Bewegungen ausführen. Der Medizintechnik dienen sie in Zukunft beispielsweise als künstliche, implantierbare Muskeln oder sie lassen sich in technische Bewegungssysteme integrieren, etwa um einem Industrieroboter das Laufen oder die Handhabung von Lasten zu ermöglichen. Kunststoffbasierte Sensoren könnten künftig in der Kraftfahrzeugtechnik zur Analyse und Überwachung der Wirkung von Bremsen oder in Fahrerassistenzsystemen eingesetzt werden. Vom TITK optimierte Faserverbundwerkstoffe bilden die Grundlage für unterschiedlichste Leichtbaukonzepte.


Bericht des Rektor 2013
To see the actual publication please follow the link above