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Bericht des Rektor 2013

34 Die Forschungscluster der TU Ilmenau | Technische und biomedizinische Assistenzsysteme Alter zu erhalten, ist auch Forschungsthema des großen Projekts „SilverMobility“, das sechs Fachgebiete der TU Ilmenau in Zusam-menarbeit mit Motophysiologen der Friedrich-Schiller-Universi-tät Jena und dem Fraunhofer-Institutsteil Angewandte System-technik AST, ebenfalls finanziert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, durchführen. Auf Basis physiologischer Kenntnisse ermittelt ein Assistenzsystem den in einem bestimmten Moment gegebenen Unterstützungsbedarf des Nutzers und stellt ihn be-reit – aber auch nicht mehr, denn der Nutzer soll selber leisten, was er noch kann. Idealerweise führt diese Strategie nicht nur zum Erhalt der noch vorhandenen Fähigkeiten, sondern durch ständige Forderung zum Wiederaufbau und gar zum Ausbau der Mobilität. Im Fokus der Forscher, die technische Assistenzsysteme entwi-ckeln, stehen auch die Organisation von Produktion und Ferti-gungstechnik, Inspektionsaufgaben an Versorgungseinrichtun-gen, die Qualitätskontrolle und -sicherung und Innovationen in der Fahrzeugtechnik. Die stetige Zunahme der Mobilität führt sowohl im Straßen- als auch im Luftverkehr zu einer wachsenden Überlastung der bereits heute stark beanspruchten Transport-routen. Dadurch werden Zusammenstöße nicht nur häufiger, sondern auch gefährlicher. Dagegen helfen Assistenzsysteme, die schneller und zuverlässiger reagieren als der Mensch, zum Beispiel Verfahren zur Erhöhung der passiven Sicherheit im Stra-ßenverkehr und zur Vermeidung von Kollisionen wie Bremsassis-tenten, ESP, Abstandsregelung oder Lane-Assist. Die Ilmenauer Forscher arbeiten an Systemen, die auf Videotechnologie ba-sieren, etwa zur Warnung vor Müdigkeit und Konzentrations-schwäche. Eine an der TU Ilmenau und am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie entwickelte Technologie, die den Sekundenschlaf verhindert, befindet sich bereits in der Pro-duktentwicklung. Da unsere Bevölkerung immer mehr altert, es aber gleichzei-tig zu wenig qualifiziertes Pflegepersonal und finanzielle Mit-tel gibt, wächst der Bedarf an technisch-organisatorischen As-sistenz- und Pflegesystemen rasant. Sie sorgen im häuslichen und im öffentlichen Bereich für Unterstützung – für die älteren Menschen ebenso wie für deren Helfer. Immer mehr Menschen haben alterstypische Schwächen wie eingeschränkte Bewe-gungsfähigkeit, Seh- und Hördefizite oder reduzierte mentale und intellektuelle Fähigkeiten, etwa bei einer Demenz. Unsere Ingenieure und Informatiker entwickeln Assistenzsysteme, die alternde Menschen, also uns alle, Ältere und Pflegebedürftige zu Hause, aber auch in Pflegeeinrichtungen unabhängiger von Pflegediensten machen und ihnen so ihre Selbstständigkeit er-halten oder wiedergeben. „Unsere Assistenzroboter unterstützen ältere Menschen in ihrem Alltag.“ Eine neue Herausforderung ist die Erhaltung der Mobilität der „Generation 50+“ im Nahbereich. Die vom Bundesland Thürin-gen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderte For-schergruppe SERROGA (SERvice-RObotik für die Gesundheits- Asistenz) erprobte 2013 unter realistischen Bedingungen einen mobilen interaktiven Roboterbegleiter zur Unterstützung allein lebender Personen mit physischen und kognitiven Einschrän-kungen in deren gewohnter häuslicher Umgebung. In einem nächsten Schritt werden nun drei Roboter-Demonstratoren all-tagstauglich umgesetzt, die wichtige, von den Senioren selbst spezifizierte Anforderungen an einen „Gesundheitsroboter“ integrieren: Kommunikationsassistenz, Bewegungsmotivation und Erinnerungsfunktion. Menschen ihre Mobilität bis ins hohe


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