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Bericht des Rektors 2012

94 Forschung für die Wirtschaft | Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung AN-INSTITUTE Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung Werkstoffe haben die Entwicklung der Menschheit seit jeher bestimmt, die Epochen der Vor- und Früh-geschichte wurden gar nach den jeweils charakteristischen Werkstoffen benannt: Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit. Die dominierende Werkstoffklasse unserer Zeit sind Kunststoffe. Das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung ist darauf spezialisiert, Kunststoff so zu verändern, dass Werk-stoffe mit völlig neuen, funktionellen Eigenschaften entstehen – Kunststoffe der neuen Generation. Als vielseitige und umweltgerechte Werkstoffe, die sich energie-sparend herstellen und verarbeiten lassen, haben Kunststoffe die letzten Jahrzehnte geprägt. Das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK) verändert die Eigenschaften von Polymerwerkstoffen und stellt daraus beispielsweise elek-trisch leitende oder halbleitende Werkstoffe her oder solche mit optischen, magnetischen oder antimikrobiellen Eigenschaften. Dabei verwenden die Wissenschaftler Polymere, die von der chemischen Industrie produziert werden oder aber aus der Na-tur stammen, etwa Cellulose oder Proteine. Die Vielseitigkeit der Polymerwerkstoffe wird von keiner anderen Materialklasse übertroffen und macht sie für eine Vielzahl besonders zukunfts-trächtiger und hochinnovativer Technologiefelder interessant. Moderne Werkstoffe sind beispielsweise unerlässlich für die Herstellung von Verpackungsmitteln und Lifestyle-Produkten, für die Fahrzeug- und Verkehrstechnik, die Mechatronik, die In-formations- und Kommunikationstechnik, die Optik und Photo-nik, die Energietechnik, die Bio- und Medizintechnik und für die Mikro- und Nanotechnik. „Bei uns erhalten Kunststoffe elektrisch leitende oder antimikrobielle Eigenschaften.“ Das 1991 gegründete TITK betreibt Vorlaufforschung und in-dustrienahe angewandte Forschung vorrangig für kleine und mittelständische Unternehmen der kunststoffverarbeitenden und -anwendenden Industrie. Seitdem es im Jahr 2004 An-Institut der TU Ilmenau wurde, führte die enge Zusammenarbeit zu fünf gemeinsamen interdisziplinären Forschungsprojekten mit För-der- bzw. Drittmitteln von über 2,7 Millionen Euro. Das Institut entwickelt neue Materialien, etwa für innovative polymerbasierte Solarzellen, die flexibel sind und daher auf gekrümmten Ober-flächen angebracht werden können. Da sie großflächig und mit hoher Geschwindigkeit herstellbar sind, lassen sie sich kosten-günstig produzieren. Ebenso forscht das TITK an so genannten Polymer-Aktuatoren. Die Systeme nach dem Vorbild von Muskeln können, da elektrisch stimulierbar, ihr Volumen und ihre Form verändern und dadurch vorgegebene Bewegungen ausführen. Der Medizintechnik dienen sie beispielsweise als künstliche, im-plantierbare Muskeln oder sie werden in technische Bewegungs-systeme integriert, etwa um einem Industrieroboter das Laufen oder die Handhabung von Lasten zu ermöglichen. Kunststoff-basierte Sensoren könnten künftig in der Kraftfahrzeugtechnik zur Analyse und Überwachung der Wirkung von Bremsen oder in Fahrerassistenzsystemen eingesetzt werden.


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